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Ein Trip der besonderen Art: mein Date mit Stromboli

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Grillen zirpen, die Sonne scheint. Das meterhohe Schilf seitlich der schwarzen Aschewege rauscht im Wind. Vereinzelt stehen Feigenbäume deren letzten reifen Früchte diesen Aufstieg der besonderen Art versüßen. Zusammen mit den Ginsterbüschen spendet es Schatten gegen die Hitze des Nachmittags. Der einheimische Bergführer, Antonio, fragt mit Hilfe seines Funkgeräts seinen Kollegen am Ende der hintereinander her gehenden Wanderer, ob alles in Ordnung sei. Jeder der Führer leitet eine Gruppe von zwanzig Personen, die sich langsam im Schritttempo auf den Vulkan Stromboli wagen. Für rund 28 Euro ein Erlebnis für alle Sinne. Es geht auch exklusiv, aber dann bezahlt eine Gruppe zwischen 400 und 450 € je nach Verhandlungsgeschick in einem der Bergführerbüros im Ort.

Links und rechts des schmalen Trampelpfads aus vulkanischer Asche fällt der Blick auf schwarze, graue und tiefrote Steine. Sind sie von oben hinuntergerollt oder geschleudert worden? Die Routen ändern sich schon mal, je nach Stimmung des Vulkans. Am besten der Besucher informiert sich vorab. Der Reiseführer und Vulkanexperte Florian Becker gibt gerne Tipps und aktualisiert die Wege online.

Diese Dinge gehören zur Ausrüstung eines Vulkan-Aufstiegs:

  • Ausreichend Wasser und Proviant
  • Gute, eingetragene Wanderschuhe
  • Sonnencreme
  • Sonnenhut
  • Winddichte Jacke
  • Kamera (aufgeladen!)
  • Stirnlampe für den Abstieg

Weiter oben wächst nichts mehr. Es geht über den Trampelpfad im Zick-Zack Kurs weiter. Wanderstöcke klackern, die Luft wird mit jedem Meter kühler. Keine Verschnaufpause, ein kurzer Blick nach unten fällt auf den malerischen Hafen von Stromboli mit seinen beiden Kirchen und der vor gelagerten Miniinsel Stromboliccio.

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Eine kleine aber feine Insel für sich. Hier lässt es sich wunderbar im kühlen Nass abkühlen.

Nur wenige der Wanderer, reden auf der Strecke, die rund 3 Stunden hinauf dauert. Ihre Gedanken drehen sich darum was sie oben erwartet. Jeder von Ihnen hat vom Bergführer einen Helm zum Schutz erhalten. Sie gehen auf einem Vulkan durch dessen Inneres heiße Magma fließt. Der Geruch von faulen Eiern, Schwefeldämpfen, nimmt auf den letzten Metern zu. Dann ist es geschafft.

Vulkan-Spektakel am Kraterrand

Amerikaner, Schweizer, Italiener und Deutsche stehen auf einem der explosivsten und aktivsten Vulkan der Welt: Dem Stromboli. Schnell werden die letzten Helme angezogen, verschwitzte Oberteile gewechselt. Hier oben weht ein frischer Wind und jede Regenjacke, jede lange Hose spendet Wärme. Langsam geht die Gruppe hinter den Führern noch ein Stück vorwärts, die Sicht ändert im Minutentakt.

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Am Kraterrand angekommen, weiß der tapfere Besucher erst einmal nicht ob er lachen oder weinen soll. Ein Vulkan ist einfach magisch und etwas ganz Besonderes.

Ein Gemisch aus Wolken und vulkanischen Dämpfen streift über den schwarzen Boden des Kraterrands zwischen den Beinen der Ankömmlinge hindurch. Der Schwefel kratzt im Hals und reizt zum Husten. Reißt der Nebel kurz auf, werden die aufgestellten Schutzhütten auf ihren erdbebensicheren Sockeln sichtbar. Aber auch sie geben in den Köpfen der Aufsteiger nur theoretisch ein sicheres Gefühl, denn wenige hundert Meter den Hang hinunter tritt frische, glühend heiße Lava an die Oberfläche. Außer ein kontinuierliches Zischen und das Rauschen des Windes ist nichts zuhören. Der Sonnenuntergang am Horizont wirft orange gelbes Licht in den Abendhimmel.

stromboli

Plötzlich lässt ein ohrenbetäubendes Fauchen die Körper zusammenzucken. Für Sekunden lichtet sich er Dunst und der Vulkan schießt an einem der mehreren Austritten Gase und heiße Lavafetzen hunderte Meter hoch empor. Alle starren wie gebannt auf das Spektakel vor ihnen, wenige hundert Meter unterhalb auf der „Sciara del Fuoco“ (Feuerrutsche). Das heiße Material platscht glühend auf dem tiefschwarzen Untergrund bis es Minuten später erkaltet. Darüber bilden sich weiße Rauchschwaden und versperren wieder zeitweise die Sicht. Die Gesichter der blaue und weiße Helme tragenden Abenteurer sprechen Bände: Träume werden wahr, Heiratsanträge ausgesprochen – Stromboli ist für viele Besucher mehr als eine Gänsehaut-Erfahrung. Das ganze Spektakel dauert Sekunden bevor wieder sich Vulkan wieder beruhigt. Unberechenbar wiederholt er sein Aufbegehren alle paar Minuten und hält die Schaulustigen in seinem Bann. Immer wieder erschreckt das laute Getöse die Umherstehenden. Unvorstellbar, dass noch vor wenigen Jahren war das übernachten hier oben noch erlaubt war.

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Wenn die Sonne untergeht an Stromboli heißt es: rund zwei Stunden Abstieg. Dann wird es kühl und manchmal regnet es feinen Aschestaub.

Manchmal macht der Vulkan Rauchzeichen für die Besucher

Antonio mahnt die faszinierten Besucher nicht zu nah an den Rand zu treten. Für ihn ist es alltägliche Arbeit alle im Auge zu behalten. Plötzlich ruft eine kleine Frau mit weißem Helm und mit blauer Regenjacke etwas und zeigt den Hang hinunter. Die Köpfe schießen herum. Wie aus der Pfeife eines Riesen gestoßen, segelt ein Ring aus Rauch wenige Meter über dem Boden hinauf. Typisches Markenzeichen Strombolis. Das stabile Gebilde mit seinen 2-3 Metern Durchmessern verschmilzt schräg über ihr mit den Wolken über dem Kraterrand wie eine Fata Morgana und hinterlässt staunende Blicke der Beobachter:

Als die Kleidung klamm ist und die Kühle des Abends in die Beine kriecht, ruft der Naturführer zum Abstieg auf der Rückseite des Kraters. Stirnlampen werden über die Helme gestülpt und angeschaltet. Ein letzter Blick zum rot glühenden Vulkanschlot, dann setzt sich die Raupe aus Menschenraupe mit ihren gelben und weißen Lichtern in Bewegung. Nur wenige sprechen, am Himmel funkeln die Sterne. Was sich anfühlt wie Regen ist feiner Aschestaub den der Vulkan nieder rieseln lässt. In der Ferne am Horizont erkennt man die Lichter des italienischen Festlandes – sogar den Leuchtturm von Messina. Eine Stunde später taucht die Gruppe in die warme Luft zwischen den Häusern Strombolis ein. Das Fauchen des Vulkans setzt sich fort wie das immer wieder kehrende Zünden der Flamme eines Heißluftballons.

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Bei einem Ausbruch heißt es rennen – so hoch wie es geht.

„Er ist nicht gut, er ist nicht böse. Er ist!“ heißt es in dem Film des Vulkan Observatoriums über den letzten großen Ausbruch des Vulkans im Dezember 2002. Obwohl Sie die Aufnahmen schon viele Male gesehen hat, ist die Angestellte Isabella, immer wieder fasziniert. Sie sitzt wie gebannt vor dem Bildschirm in dem extra für Besucher eingerichteten Seminarraums. Während des Ausbruchs rutschte eine riesige Landmasse von der „Feuerrutsche“ ins Meer und verursachte ein Tsunami von zehn Metern Höhe. Die Welle erreichte wenige Minuten später das 55 Kilometer entfernte Sizilien und das Festland, den Schaft des italienischen Stiefels, wo sie glücklicherweise bereits an Höhe verloren hatte.

Die Hafenstraße Strombolis wurde nach dem sich das Wasser erst zurück gezogen hatte von der Welle überflutet. Die Menschen konnten sich in höher gelegene Winkel des Ortes retten. Eine dunkel graue Aschewolke entstand bis zu zwei Kilometern über dem Vulkangipfel und verdunkelte für einen Tag die Sonne. Sowohl die vierhundert Strombolianer als auch die anwesenden Touristen konnten rechtzeitig gewarnt werden. Seit diesem Vorfall wird die Evakuierung der Menschen bei Gefahr geübt. Bereits früh lernen die Kinder wie sie sich im Fall eines Tsunamis oder einer Eruption verhalten. An vielen Stellen der engen Gassen und Straßen im Ort stehen grüne Schilder, die Fluchtwege aufzeigen.

Auch die Einheimischen haben großen Respekt

Der Fischer Guiseppe lebt seit frühester Kindheit auf Stromboli und ist meist an dem kleinen Hafen anzutreffen. „Ich war erst zwei einmal oben“, erzählt er, „ich respektiere ihn und lasse ihn in Ruhe. Dann lässt er mich auch in Ruhe.“ So denkt auch die Mehrheit der 30 Bewohner des Dorfes Ginostra auf der Süd-West Seite der Insel.

Am kleinsten Hafen Europas legen auch jene Touristen an, die nicht nur wegen des aktiven Vulkans sondern auch wegen der Schönheit der vulkanischen Landschaft und der Ruhe hier her kommen. Aber auch hier, wenige Meter vom Hafen entfernt, ist die Gefahr eines Ausbruchs gegenwärtig: Eine gelbe Tsunami Warn Boje in den Wellen hin und her. Mit ihrer Hilfe wird die Höhe und Länge von Wellen gemessen und im Observatorium zusammen mit anderen wichtigen Parametern dokumentiert. Im Ernstfall kann so hoffentlich rechtzeitig gewarnt und die Menschen in Sicherheit auf eine der anderen Inseln gebracht werden.

Aber von einer akuten Gefahr ist in diesem Paradies nicht die Rede. Dafür ist es zu traumhaft! Diese Mischung aus Vulkanen und Inselparadies zeigt sich vor allem auch bei einer Inselrundfahrt. Ein Muss für jeden Besucher für rund 20 bis 25 Euro pro Person.

Und für Wasserratten und Schnorchler gibt es auch etwas ganz Besonderes: Schnorcheln am schwarzen Strand.

Und wer dann noch Zeit hat und nicht genug bekommt, für den gibt es hier im tyrrhenischen Meer noch 6 weitere bewohnte Inseln. Langweile kommt hier sicherlich nicht auf.

Über Stromboli

Stromboli ist – neben Lipari, Salina, Vulcano, Panarea, Filicudi und Alicudi – eine  von den sieben liparischen Inseln. Sie werden auch Aeolen genannt und gehören zu Italien. Stromboli ist nach dem gleichnamigen Vulkan benannt. Die steil aus dem Wasser ragende Insel hat eine Höhe von mehr als 900 Meter. 

Vulkaninsel Stromboli, Italien

Die Vulkaninsel Stromboli in Italien, aktiver Vulkan

Tipps für die Anreise

  • Einfache Anreise: Mit dem Flugzeug nach Neapel und von dort mit der Fähre (fährt 2 Mal die Woche, siehe hier)
  • Längere Anreise: über Sizilien / Catania möglich, mit Zug bzw Bus nach Milazzo, dann mit Tragflügelboot (fährt 4 bis 7 Mal täglich Milazzo-Stromboli).
  • Generell ist die Anreise im Sommer (Juni bis Anfang September) auch ab Palermo möglich. Dann gibt es ein tägliches Tragflügelboot über Alicudi, Filicudi, Salina nach Lipari. Dort Umsteigen und mit Tragflügelboot nach Stromboli.

Tipps für Restaurants

  • Punta Lenaund „Da Zurro“ (keine Webpage, Anschrift:  Via Crivelli, 5, 98050 Stromboli ME, Italien, Telefon: +39 340 772 0689) sind sehr gute Fischrestaurants.
  • Sehr gute Pizza gibt es im „La Lamparamitten im Ort, oder beim alten Observatorium „Ristorante Osservatorio“ (keine Webpage, Anschrift: Via Salvatore di Losa, 98050 Stromboli, Lipari ME, Italien, Telefon: +39 090 958 6991) mit Blick auf den aktiven Vulkan!
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Der Blick vom Ristorante Osservatorio ist einzigartig (Quelle: Vulkankultour)

Unterkünfte in Stromboli

Für Backpacker: Pensionen teils mit Mehrbettzimmer

Für Familien: Ferienhäuser

Familien können am besten ein eigenes Ferienhäuschen mieten von denen es mehrere gibt, z.B Stromboli Case Vacance oder Eolie Tourismus Webseite oder auf Airbnb schauen!

Gutscheine 

Titelbild: Shutterstock

Kategorie: Abenteuer & Natur, Dies & Das, Italien

von

Ich schreibe schon seit ein paar Jahren, für Zeitungen, Magazine und alle möglichen Print und digitalen Medien. Ich habe Geologie studiert und mich dann zur Fachredakteurin und Social Media Managerin ausbilden lassen. Eine sehr gute Kombination! Privat bin ich Mutter eines wundervollen Sohnes. Wenn ich reise, dann verweile ich gerne und tauche ein. Das habe ich bereits in USA, Frankreich, Australien und verschiedenen Inseln gemacht. Reisen finde ich klasse – netzwerken auch! Ich freue mich über neue, nette Kontakte wie den zu Simone! Schreibt mir gerne! Eure Sirit von Textwelle

2 Kommentare

  1. Hallo,

    ein schöner Beitrag.
    Ich spiele auch schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken mal einen Vulkan zu besteigen.

    Liebe Grüße
    Lara

    • Hallo liebe Lara!
      Das ist wirklich ein super Trip dorthin. Aber nimm Dir Zeit mit zum Schnorcheln und für die anderen Inseln ;O). Falls Du alles organisiert haben willst, dann check mal Vulkankultour aus, Florian Becker von dort hilft Dir sicher weiter. Auch was Island angeht übrigens! LG! Meld Dich, wenn Du mal dort warst, gerne!

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