Mit Hund & Katze auf La Digue – Haustiere auf den Seychellen

„Ein einzelnes Tier zu retten verändert nicht die Welt,
aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier!” – Unbekannt

Als ich das erste Mal auf die Seychellen kam, hatte ich keine Ahnung, wie das dort mit Haustieren überhaupt läuft. Mit der Urlauberbrille machte ich mir eine schöne Zeit und freute mich damals riesig über einen Hund, den ich zufällig am Strand entdeckte. “Samousa” heißt die Hündin, verriet mir ein Einheimischer in meinem Alter. Ich glaubte es. Dabei war es ein erfundener Name und einfach nur der Versuch eines Seychellois, mich mit einer vorgespielten Tierliebe zu beeindrucken. Das weiß ich jetzt ganz sicher. Aber es wurde mir auch bei meiner nächsten Reise klar, als mir die gleiche Person plötzlich einen anderen Hundenamen sagte, als ich ihr das Foto zeigte. Ganz nebenbei erwähnte sie dann auch, dass die Hündin wohl vergiftet worden sei. Ich konnte das damals gar nicht glauben. „Einen Hund vergiften?”. „Ja, das sei hier ganz normal, denn irgendwann werden es sonst einfach zu viele.” Aha, dachte ich mir.  Meinen ersten Rückschlag vom Paradies musste ich damals erst einmal verarbeiten.

Wenn ich an meine Kindheit denke, denke ich an Tiere. Wir hatten Hunde, Katzen, unzählige Hühner und über zehn Pferde. Ein Leben auf einem Kotten, ich hätte mir für meine Kindheit nichts Schöneres vorstellen können. Alles drehte sich um Vierbeiner. Doch irgendwann sind wir an den Stadtrand gezogen. In ein Haus, das nicht von Weiden und Wäldern umringt war, sondern plötzlich nur noch von einem mittelgroßen Garten. Als dann mein Studium anfing, verkauften wir auch mein letztes Pferd, weil ich einfach keine Zeit mehr dafür hatte. Das Studium ging dann in eine Festanstellung über und damit verschwand auch jeder Funke Hoffnung, mal wieder ein Tier zu haben.

Wie alles begann

Als ich meinen 9-to-5-Job an den Nagel hängte, lag es nicht daran, dass er mir nicht gefallen hat. Ganz im Gegenteil, aber ich hatte es Leid für andere zu arbeiten. Ich wollte keinen Stress, keinen Druck und auch keine Verpflichtungen mehr. Ich wollte Freiheit. Und endlich den Schritt wagen, von dem ich so lange träumte. 2016 saß ich dann auf La Digue an meinem Inselschreibtisch. Plötzlich hatte ich Zeit. Zeit, um nachzudenken. Zeit, um Dinge zu machen, die ich möchte. Zeit, um meinen Körper zu entschleunigen. Und ja, auch Zeit für ein Haustier.

Und wie es der Zufall dann so will: Eines morgens hörte ich zwei Katzenbabies in unserem Garten. Sie waren so scheu, dass ich nicht näher als fünf Meter an sie heran kam. Es dauerte drei Monate und unzählige Thunfischpackungen und Fischreste (Katzenfutter gab es nicht), bis ich sie zum ersten Mal berühren konnte. Irgendwann schliefen sie dann sogar auf unserer Veranda auf dem Sofa. Ins Haus durften sie nicht. Das ist für ein Seychellois ein No-Go.

An ihrem letzten Abend saß ich zusammen mit ihnen draußen auf dem Fußboden. Sie hatten endlich Vertrauen zu mir. Am nächsten Morgen waren sie dann verschwunden. Jedes Suchen hat nichts ergeben. Bis dann nach zwei Tagen plötzlich ein unerträglicher Gestank in der Luft lag. Ein Blick auf das Grundstück des Nachbarn brachte schnell Klarheit. Sie wurden vergiftet und haben es keine 2 m von der Schale mit dem Gift geschafft. Daneben lagen ein paar tote Schnecken und Vögel. Unser Nachbar hatte sie vergiftet, weil sie, so sagte er, auf sein Grundstück gelaufen sind. Ich war am Boden zerstört. So sehr, dass ich am liebsten in den nächsten Flieger nach Deutschland gestiegen wär. Nach ein paar Wochen ging es mir dann besser. Jeder Wunsch, ein weiteres Haustier zu haben, war jedoch verflogen.

… und dann kam Zanmalak

Ein paar Monate später stand plötzlich ein kleiner Kater vor dem Fenster. Er miaute ununterbrochen. Anfangs versuchte ich ihn zu ignorieren. Zu groß war die Angst vor unserem Nachbarn, und das Risiko wollte ich mit keinem weiteren Tier eingehen. Das hielt ich dann drei Tage durch. In dieser Zeit blieb der kleine Kater mit dem fluffigen Puschelschwanz in unserem Garten und wartete im Zitronengras. Er hatte sein neues Zuhause schon längst gefunden, nur ich wusste es noch nicht. Das wurde mir erst recht klar, als wir vier Tage nach Mahé fuhren und er bei unserer Rückkehr immer noch da war. Ich hatte eine neue Katze. Das ist jetzt 10 Monate her. Diesen Sommer wartete er sogar drei Wochen auf mich, in der Zeit war er sogar ganz alleine. Seitdem weicht er mir nicht mehr von der Seite. Und bekommt das beste Katzenfutter aus Deutschland. Lieben Dank an meine Leser, die mir immer wieder eine Monatspackung mitbringen. Ihr seid toll!

Lion

Nach all der Zeit war auch klar, dass – auch wenn ich es von Herzen wollte – auf den Seychellen keinen Hund halten möchte. Erstens gibt es sie hier im Überfluss und es werden immer mehr. Zweitens werden sie ständig vergiftet. Und drittens hatte ich keine Ahnung, was ich machen soll, wenn ich in den Urlaub oder in die Heimat fahre. Dennoch war ich der Überzeugung, dass mir wenn überhaupt das Schicksal einen Hund schenken würde.

Eines morgens hörte ich hinter unserem Haus ein Weinen. Als ich nachschaute, entdeckte ich einen kleinen Welpen in einer etwa 30 cm großen Gitterbox. Unsere anderen Nachbarn hatten sich einen Hund zugelegt. Die Mutter des Welpens war vergiftet worden, als er eine Woche alt war, und der Besitzer hatte die Kleinen jetzt verteilt. Der Anblick tat mir in der Seele weh, da wusste ich jedoch noch nicht, dass es noch schlimmer kommen würde. Ich holte ihn daraus und kümmerte mich um ihn, denn bei den Besitzern schien er auf kein großes Interesse zu stoßen, auch nicht bei den Kindern.

Der kleine Lion lebte fortan unter einem Bretterverschlag. Ich war die Einzige, die sich um ihn kümmerte. Etwa zwei Wochen später war er verschwunden. Ich schlich mich ums Haus herum und traute meinen Augen nicht. Da war eine Holzbox, etwa 1 m groß, mit Wellblechdach und auf drei Seiten verschlossen. Und der kleine Lion mittendrin. Auf mein Nachfragen, machte man mir klar, er müsse sich jetzt langsam an sein Zuhause gewöhnen. Mir tat es in der Seele weh. Ich wartete bis dort alle aus dem Haus waren und holte ihn raus. Es dauerte keine 5 Minuten, bis eine wild gewordene Frau auf mich zu gestürmt kam. Ich solle sofort aufhören ihren Hund zu klauen, sonst würde sie die Polizei rufen. Auf Anraten meines Freundes, mich da rauszuhalten, es sei ja schließlich nicht mein Hund, versuchte ich die kommenden Monate das Drama in der Nachbarschaft auszublenden.

Es vergingen sechs Monate, bis wir herausfanden, dass die Besitzerin nach Mahé gegangen ist. Das war unsere Chance. Wir fuhren nach Mahé und besorgten Leine & Co. und holten ihn am Nachmittag da raus. Sein Zustand hat mein Herz gebrochen. Er war voller Flöhe, total abgemagert, der Bauch und die Seiten blutig und wund gescheuert und er konnte kaum laufen, weil er seine Beine die ganze Zeit nie trainiert hatte. Nach dem Blick in die Box heulte ich einfach nur los. Der Anblick, in was er da die letzten Monate hausen musste, war einfach nur schrecklich.

Aber wie gewöhnt man einen Hund an Menschen, wenn er doch die ganze Zeit nie jemanden um sich hatte? Wir legten ihm ein Geschirr an und er windete sich durchgehend um die eigene Achse. Ich band ihn erstmal die Nacht an einer langen Leine an einen Baum an, damit er sich beruhigen konnte, und gab ihm etwas zu fressen und Wasser. Am nächsten Morgen sah es schon besser aus. Ich badete ihn mit Flohshampoo und was da aus allen Poren raus kam, werde ich nie vergessen. Ich schmierte seine Wunden mit einer Creme ein und gab ihm eine riesengroße Portion Fisch mit Reis.

Es dauerte nur wenige Tage, dann vertraute er mir. Er lernte an der Leine und am Fahrrad nebenher laufen. Er sah zum ersten Mal das Meer und schwamm sofort los. Und nach einer sehr harten Überzeugungsarbeit darf auch ins Haus, genau wie Zanmalak, der sogar eine Katzenklappe hat. Einfach ist es trotzdem nicht, aber dazu in der Fortsetzung mehr …

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Teil 2 folgt in Kürze.

6 Kommentare

  1. Danke für deinen ehrlichen Bericht. Es trauen sich nicht viele, das so offen anzusprechen. Man macht sich ja vermutlich nicht nur Freunde damit. Mein Respekt dafür!
    Und auch dafür, dass du nicht nur darüber schreibst, sondern auch etwas dagegen unternimmst.
    Viele Grüße
    Katja

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