Seychellen
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Mit Condor im Cockpit auf die Seychellen (Video & Interview)

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„Hi, ich bin Kapitän bei Condor. Ich fliege Dich am 21.3 auf die Seychellen und möchte Dich (wenn Du möchtest) zu Start und Landung ins Cockpit einladen. Hast Du eine Kamera mit Saugnapf? Der Anflug auf Mahé ist wirklich traumhaft.“

Als ich diese Nachricht erhalte, muss ich sie 1, 2, 3, 4 Mal lesen. Das kann doch nur ein Traum sein. Was schreibt man einem Piloten zurück? Ich tippe diese Antwort in mein Whats App: „WOW, ein Pilot hat mir noch nie geschrieben. DANKE für die Einladung – die nehme ich natürlich an!“

Am 21.3.2017 wurde ich dann gleich nach dem Boarding abgeholt. Es gab eine kurze Einweisung der Piloten: „Das ist Dein Sitz, mach es dir bequem. Da findest Du die Schwimmweste, da die Atemmaske, da ist der Notausgang, und wenn der versperrt ist, kletterst Du aus der Luke oder seilst Dich aus dem Fenster ab! Verstanden?“ Alles klar, antworte ich wie in Trance.

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Es geht los!

„Bitte den Flieger zum Rollen vorbereiten“… höre ich den Piloten sagen.
„Möchtest Du einen Donut?“ ÄHH, nee, danke, antworte ich. (Ich muss erstmal klar kommen)

Wir fahren los; auf meinem Kopf ein Hörer, in meinen Ohren tausend Stimmen der Lotsen und Piloten. Ich versuche zu lauschen, verstehe aber kein einziges Wort.

Noch bevor ich darüber nachdenken kann, stehen wir auf der Landebahn. 3, 2, 1. Die Maschine fährt mit Vollspeed und wir heben ab. Im Cockpit: die Simone und drei Piloten. Vor uns nichts, außer Nebel. Dann erreichen wir die Flughöhe und endlich lichtet sich der Himmel. Ich lasse mir alles genau erklären. Man ist das spannend. Wir bestellen uns einen Kaffee, schauen den Sonnenuntergang und irgendwann gehe ich nach hinten. Schließlich darf ich heute sogar Business Class fliegen.

Ich blinzle mit den Augen und will nicht schlafen. Ich sitze auf meinem Sitz im Flieger und zucke bei jedem Geräusch zusammen. Meine Augen fallen zu, doch bei jeder Stimme reiße ich sie auf. Ich kann jetzt einfach nicht schlafen. Gleich weckt mich die Crew, gleich darf ich wieder ins Cockpit.

Drei Stunden vor Landung ist es dann wieder soweit. Ich verschwinde wieder heimlich in die Panoramaabteilung. Es ist noch dunkel, ziemlich dunkel – dann am Horizont ein roter Streifen. Die Sonne geht langsam auf. Ich mache den Mund zu, schaue durch die Linse und drücke den Auslöser. Fotos und Videos abwechselnd; und mein Handy klebt am Saugnapf an der Scheibe. Ich kann es einfach nicht glauben. Ich sitze im Cockpit, und vor uns liegen die Seychellen – wie Perlen im Ozean.

Was macht man in der Zeit eines Langstreckenflugs im Cockpit mit drei Piloten?

Genau, Fragen stellen – und zwar zum Beispiel diese hier. Es folgt ein Auszug des Gesprächs mit dem Kapitän Simon Ambrosius.

1. Ist das dein erster Flug auf die Seychellen?

Nein, ich habe extra vorher nachgeschaut. Heute ist mein 24. Flug auf die Seychellen.

2. Du scheinst die Seychellen zu mögen…

Allerdings, für mich ist es einer der schönsten Anflüge unseres eh schon privilegierten Streckennetzes – sowohl wegen der atemberaubend schönen Sicht als auch aus fliegerischen Gründen.

2. Wieso aus fliegerischen Gründen?

Der Anflug auf die Seychellen ist kein Standardanflug. Einige Dinge sind hier etwas anders und aus unserer Sicht abwechslungsreich. Da nördlich der Piste ein Berg liegt, gibt es aus der Richtung keinen langen, geraden Anflug, sondern man fliegt einen virtuellen Punkt über der Bucht an. Von dort ist der Flughafen bei guter Sicht so gut zu sehen, dass dann der Rest des Anfluges aus der Sicht heraus in einer langgezogenen Kurve entlang der Küste erfolgt. Fliegt man zurück, so gilt das gleiche für den Abflug. Unsere Kapitäne bekommen daher einen Einweisungsflug mit einem Ausbilder, bevor sie Mahé das erste Mal selbstständig ansteuern.

3. Wie lange ist denn euer Aufenthalt auf den Seychellen und was macht ihr dann so?

Simon lacht. Unser Aufenthalt ist bis genau heute Abend, also etwa 14 Stunden im Hotel. Wir fliegen dienstags abends hin und mittwochs abends zurück, genauso von Freitag bis Samstag. Etwa eine Stunde nach Landung sind wir im Hotel, so etwa gegen halb 8 Uhr. Zwei Stunden vor dem Start werden wir dann wieder abgeholt, das ist dann um 22 Uhr. Die Frage, was wir in dieser Zeit machen, beantwortet sich dann wohl von selbst: Schlafen! Ich stelle mir jedoch den Wecker kurz vor Sonnenuntergang, damit ich nochmal einen Strandspaziergang machen und etwas leckeres essen kann – und zumindest ein kleines bisschen der Seychellen mitbekomme.

Für unsere Gäste hat diese Konstellation den angenehmen Effekt, dass sie morgens ankommen und abends abfliegen. So müssen sie keinen Urlaubstag für den Flug „opfern“ – einen Tag Sonne mehr!

4. Wünscht du dir da nicht manchmal mal einen längeren Aufenthalt?

Im Prinzip ja und unbedingt. Heute freue ich mich, schnell wieder zuhause bei meiner Frau und meinen Kindern zu sein. Der Landeanflug auf die Seychellen ist ein Grund, weswegen ich diesen Flug gerne fliege, aber auch die kurze Abwesenheit von meiner Familie. Ich möchte aber unbedingt mal wieder zum (Familien)Urlaub auf die Seychellen, dann aber lieber 14 Tage als 14 Stunden.

5. Als Pilot bist du viel unterwegs. Wie oft fliegst du im Monat?

Im Monat fliege ich 1 bis 2 Kurzstrecken und 1 bis 2 Langstrecken. Während des restlichen Monats bin ich in der Abteilung für Flugsicherheit und Qualitätsmanagement tätig.

6. Wie begann dein Traum des Fliegens?

Ich komme eigentlich aus dem Bergsport und war früher Skilehrer. Irgendwann begann ich dann mit dem Gleitschirmfliegen und habe das Fliegen lieben gelernt. Während des Zivildienstes habe ich dann den Piloten-Test beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemacht und bestanden. Das war der Startschuss für meine Laufbahn als Pilot. Die Ausbildung bei der Lufthansa dauerte etwas mehr als drei Jahre. Ich habe dann dort als Copilot den Airbus A320 angefangen komerziell zu fliegen und später MD11-Frachtmaschinen gesteuert. Heute fliege ich als Kapitän und Ausbilder bei Condor und bilde hier somit auch neue Piloten aus – Fahrschule in der Luft sozusagen.

7. Was macht eigentlich mehr Spaß – Starten oder Landen?

Landen! Ganz klar.

8. Wieso denn das?

Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die Landung eine größere Herausforderung, da es viel mehr zu beachten gibt. Oft sind die Landeanflüge traumhaft, aber auch herausfordernd. Wind, Wetter, Sicht – es gibt einfach so viel zu beachten. Jede Landung und jeder Flughafen ist anders. Zum anderen sind wir als Airline (und ich als Pilot) ja auch Dienstleister und möchten unsere Passagiere sicher, pünktlich und komfortabel an ihr Urlaubsziel bringen. Nach einer entsprechenden Landung haben wir das (fast) geschafft und dann unseren Teil zu einem erholsamen Urlaub beigetragen.

9. Und welcher ist der schönste Landeanflug?

Die Seychellen natürlich, aber auch die Malediven sind wunderschön, wenn man aus der Luft die ganzen Atolle sieht. Auch San Jose in Costa Rica mit seinen Vulkanen und dem Pazifik ist definitiv ein Highlight… die Liste ist lang.

10. Wie funktioniert das denn jetzt alles eigentlich hier oben in der Luft?

Auf so eine konkrete Frage war ich nicht vorbereitet.

Simon lacht wieder.

Kurzfassung. Im Reiseflug folgen wir den von den Ländern festgelegten Luftstraßen. Es gibt (wie auf einem Autobahnatlas) verschiedene Routen, die zum Ziel führen. Wir versuchen bei der Auswahl möglichst viel Rückenwind zu erwischen, um Zeit und Kerosin zu sparen. Während des Fluges überwachen und managen wir die Systeme des Flugzeugs, kommunizieren mit den Lotsen und über vielen Ländern Afrikas auch mit den Piloten der Flieger in unserer Umgebung. Außerdem überwachen wir den Luftraum – und das nicht nur auf unseren Computern, sondern auch visuell durch das Fenster. Wir weichen Gewittern aus und passen die Flughöhe an, wenn es notwendig ist. Auch überwachen wir ständig den Kerosinverbrauch und somit die Zeit, die der Flieger noch in der Luft bleiben kann. Anfangs sind wir noch recht schwer, später werden wir aufgrund des Kerosinverbrauchs leichter und können dann höher und somit sparsamer fliegen. Das machen wir dann alles manuell. Pro Sitzplatz und Passagier verbrauchen wir übrigens auf dem heutigen Flug 2,6 l auf 100 km – und das naturgegeben in Luftlinie mit fast 900 km/h! Das soll mal einer mit einem anderen Verkehrsmittel nachmachen…

10. Wo sitzt man bei einem Flug auf die Seychellen eigentlich am besten? Wo hat man die beste Sicht?

Am besten sitzt man im Cockpit – und da hat man selbstverständlich auch die beste Sicht. So wie du jetzt gerade. :-) Wenn man sich in der Auswahl auf die Passagiersitze beschränken muss und das Glück hat, einen Fensterplatz zu ergattern, kann man nur gewinnen: Auf der einen Seite schaut man zur Landung in den Sonnenaufgang, auf Praslin und diverse Inseln im Indischen Ozean. Auf der anderen Seite geht der Blick in Richtung Mahé und die Hauptstadt Victoria.

Danke an den Piloten und Kapitän Simon Ambrosius für das Gespräch und die spannende Zeit im Cockpit. 

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Irgendwo über Österreich

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Im Cockpit bei Condor – auf dem Weg zu den Seychellen

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Guten Morgen Sonnenschein – kurz vor der Landung auf den Seychellen

 Mit Condor per Direktflug auf die Seychellen 

Condor ist eine deutsche Fluggesellschaft. Sie bietet einen wöchentlichen Direktflug von Frankfurt auf die Seychellen an (im Winter auch zwei Mal). Der Flug ist ein Nachtflug, startet am späten Nachmittag (FRA) und landet auf Mahé (SEZ) gegen 6 Uhr am frühen Morgen. Die Flugzeit beträgt um die 9 Stunden. Ein guter Flugpreis liegt bei Condor zwischen 500 und 700 Euro. Günstige Flüge auf die Seychellen finden. 

Mehr über die Seychellen lesen

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Vielen Dank an Condor für diese Überraschung – und für das Upgrade in die Business Class. 

Kategorie: Seychellen

von

Hi! Ich bin Simone, Onlinerin von Herzen, Weltentdeckerin mit Dauerfernweh – und einem Faible für exotische Reiseziele. Ich liebe das Meer, Inselparadiese & Abenteuer. Wenn ich nicht gerade auf den Seychellen mit einer Kokosnuss am Strand liege, Riesenschildkröten knutsche oder im Meer plansche, dann bin ich woanders auf dieser wundervollen Welt unterwegs. Meine Schwester sagt immer: „Chill‘ doch mal“, aber dafür ist das Leben doch viel zu kurz, oder?

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5 Kommentare

  1. Was für eine atemberaubende Erfahrung. Einfach grandios… Die Bilder sind echt toll und vor allem interessant, das alles mal aus Sicht der Piloten zu sehen und zu hören.
    Vielen Dank und ganz liebe Grüße!

  2. Christine Gerresheim sagt

    Das ist natürlich der Traum eines jeden Passagiers – vorne dabei zu sein. Tolle Aufnahmen und Berichte! Seychellen waren schon immer mein Traumziel, habe es bisher „nur“ bis zu den Malediven geschafft. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wünsche noch viele inspirierende Reisen!

  3. Monika Bühler sagt

    Wow. Das ist ja ne super schöne Story über deinen Flug.
    Wir fliegen in drei Wochen für 19 Tage auf die Seychellen. Sozusagen nachgeholte Flitterwochen, wir haben in der Zeit Silberhochzeit.
    Ich bin schon so gespannt, es war schon lange ein Traum von mir auf die
    Seychellen zu fliegen.
    Vom 10.-17.5 sind wir auf La Digue. Vielleicht laufen wir uns ja über den Weg!
    Wir wohnen in Chloes Cottage, und wo lebst du?
    Vielen lieben Dank für deine tollen Bilder und Berichte.
    Du hast einen wunderschönen Blog!
    Allerliebste Grüße aus dem sonnigen Schwabenland!!!
    LG
    Moni

  4. Echt genial, davon träumen viele, einfach mal im Cockpit zu sitzen und locker mit der Crew quatschen zu können.

    In der heutigen Zeit ist das ja fast gar nicht möglich. Ich beneide dich gerade. Wie gerne würde ich das mal machen wollen.

    Als Kind durfte ich ins Cockpit, heute ist das ja kaum noch möglich. :)

    • Hi Tina,
      jaa, das war auch für mich ein Traum, ein wunderschönes Erlebnis, das ich niemals vergessen werde. :)

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