Glück, Freiheit, Zeit, Reisen

Ich mag diese Idee. Diese Vorstellung woanders zu leben. Vor allem, woanders als in Deutschland. Einfach machen und die Welt erleben. Ich habe diesen Gedanken und wenn nicht dauerhaft, schleicht er sich hin und wieder heimlich in das Unterbewusstsein. Weit weg vom Alltagstrott, in dem wir doch alle irgendwie gefangen sind. Weit weg von all den Problemen und Herausforderungen, die wir täglich meistern. Weit weg von all den Verpflichtungen. Weit weg von allem.

Ganz egal, wohin meine Reise ging, dort wollte ich bleiben. Jedes Mal habe ich mir gedanklich ausgemalt, wie ich es schaffen könnte, zu bleiben. Da muss es doch besser sein, dachte ich mir. Besser als im kalten Deutschland. Ein Land, in dem die Hochsommertage an zwei Händen abgezählt werden können. Und das als Sonnenanbeter? Besser, das ist er, der Begleiter. Ich war in Spanien und da wollte ich bleiben. Ich war in Dänemark, da wollte ich bleiben. Ich war in Neuseeland, da wollte ich bleiben. Ich war auf den Seychellen, da wollte ich bleiben. Ok, mit den Seychellen, das ist nochmal eine andere Nummer. Es ist das Paradies. Aber das ist der rote Faden. Dieses Besser zieht sich wie ein Kaugummi durch das Leben und es will einfach nicht reißen.

Ist es das Wetter? Die Sonne? Das Meer? Die Strände? Die Leichtigkeit des Seins im Ausland? Die offenen und gefühlt viel netteren Menschen? Was reizt mich an der Ferne?

Eins steht fest, uns selbst können wir nicht entkommen. Es ist nicht möglich. Ganz egal, wie wir es versuchen, aber vor uns selbst, da können wir nicht weglaufen. Es sind die gleichen paar Augen, durch die wir hindurchschauen. Es sind die gleichen Gedanken, die in unserem Kopf umherschwirren. Es sind die gleichen Beine, die gleichen Füße, die uns durchs Leben tragen. Ganz egal, wo wir sind. Wherever you go, there you are, das ist die Devise. Vor uns selbst weglaufen, das kann nicht der Grund sein.

Aber irgendwo anders ist es vielleicht besser – oder etwa nicht?

Es gibt kein Aber. Früher oder später treten doch überall die gleichen Probleme auf. Die gleichen Verhaltensmuster begleiten uns auch woanders. Auch woanders ist nicht alles gut, aber ist es vielleicht besser? Umgeben von Sonnenschein, dem Duft von Salzwasser und dieser Leichtigkeit, ist die Grundstimmung definitiv besser. Die Reise, einfach ein Leben lang. Ist das der Traum?

Ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte.

Andere hetzen von Job zu Job, von einer Beziehung zur nächsten. Sie tingeln von Ort zu Ort und von dieser Erlösungs-Vorstellung zur nächsten. Vertreter dieser Sichtweise trifft man überall. Aber wonach suchen sie? Nach mehr Geld? Nach mehr Glück? Nach mehr Liebe? Mehr, das ist das Stichwort. Der Versuch davonzulaufen, ist doch viel mehr die Suche nach dem, was uns glücklich macht. Glück, das höchste aller Lebensziele. Es gibt ein Sprichwort, das besagt: “Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach und er entwischt dir, setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder. ”

Also weiter suchen? Oder bei Dir bleiben?

Wir leben im Moment. Im Jetzt. Sollten wir also nicht besser bei uns bleiben und mit dem zufrieden sein, was wir sind? Nämlich Teil eines wundervollen Lebens, das uns alle Möglichkeiten und Freiheiten gibt, uns selbst zu verwirklichen.

“Yesterday is history.
 Tomorrow is a mystery.
 Today is a gift.
 That is why it is called the Present.” – Anonym

Im besten Fall haben wir 85 Sommer, die wir erleben dürfen. 85 x Herbst, 85 x Winter und 85 x Frühlingserwachen. Zu wenig Zeit, sich um solche Dinge Gedanken zu machen und diesem Besser nachzulaufen. Die Zeit rennt und sie wartet nicht. Sie nimmt keine Rücksicht. Sollten wir nicht viel mehr versuchen, das Meiste aus unseren Tagen herauszuholen? Die Freiheit voll auszukosten und unser Leben so zu leben, wie wir es wollen? Ohne Kompromisse? Ohne wenn und aber?

Make the most of today. Das muss das Motto sein.

Folge Deinen Träumen ohne Kompromisse. Kündige Deinen Job, wenn er Dir nicht gefällt. Gehe reisen, wenn Du Dich nach der großen, weiten Welt sehnst. Trenne Dich von Menschen, die Dir nicht gut tun. Und verschiebe es nicht auf Morgen, denn Morgen kann irgendwann zu spät sein. In Neuseeland sagte mir ein älteres Ehepaar am Lagerfeuer: “Tue das, wonach Dir ist, aber tue es!” und sie gaben mir einen Tipp, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: “Du wirst später die Dinge bereuen, die Du nicht gemacht hast, aber niemals das, was du gemacht hast”.

Mach das, wonach du strebst.

Für mich sind es die Reisen und die Abenteuer, die mich erfüllen. Die meinen Horizont erweitern und mich glücklich machen. Es ist aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Mein Glück ist eine Sucht, die nie gestillt werden kann. Ganz im Gegenteil, sie wächst und wächst. Von Mal zu Mal. Von Reise zu Reise. Wie ich mir das leiste? Prioritäten setzen ist die Devise. Shoppen bis zum Minimum einschränken und keine unnötigen Dinge kaufen, essen gehen nur bei besonderen Anlässen und am Wochenende wenig Geld für Partys ausgeben. Luxus adé? Natürlich leiste ich mir vor allem weiterhin auch elektronische Geräte, die ich für meinen Beruf benötige.  Mit jeder Reise verliere aber mehr und mehr das Interesse am Konsum und an überflüssigen, materiellen Dingen. Mein Fokus wird auf das Wesentliche gelenkt, weit weg von all den Träumen der Werbeindustrie. Damit beschere ich mir Glücksmomente. Momente, die mich glücklich machen. Momente auf Reisen, die mir keiner nehmen kann.

Also mache das, wonach Dir ist. Suche Dir einen Job, den du liebst. Bleibe bei Deinem Partner, solange er Dir gut tut. Pflege Freundschaften, die Dir am Herzen liegen. Gehe hinaus in die Welt, wenn Du Deinen Horizont erweitern möchtest. Akzeptiere Dich und glaube an Dich. Genieße. Sei hilfsbereit und tue Gutes. Sei optimistisch und vertraue Dir selbst. Und freue Dich, auf das was kommt.

Tue es. Jetzt. 

… aber egal, wo Du auch bist, was Du machst und egal in welcher Situation, bleib bei Dir. 

Weitere interessante Artikel, die sich mit diesem Thema oder ähnlichen beschäftigen:

Wie viel Luxus brauche ich? von BRAVEBIRD
H wie Hamsterrad, S wie Systemtrottel, Z wie Zara von Anidenkt.
Was machen glückliche Menschen anders? von Modern Hippie

17 Kommentare

  1. Wunderschöner Artikel. Mit sehr viel Wahrheit.
    Wieviele Menschen hassen den Montag, weil die Arbeit wieder beginnt. Sie schleppen sich durch die Woche und können den Freitag kaum erwarten. Sollten sie den Montag nicht lieber lieben? Sollte man sich nicht auf den Montag freuen?Auf die Arbeit? Ich meine, immerhin nimmt die Arbeit den größten Teil des Lebens ein.

    Bleib bei dir, trifft es sehr genau. Die Gesellschaft verlangt so viel. Immer mehr und mehr. Wieviele Menschen wollen einem in das Leben reden, über Dinge, die nicht richtig sind, Dinge die anders gemacht werden sollten. Geben Ratschläge. Mischen sich in dein eigenes Leben ein. Aber sollten sie sich nicht lieber um ihr eigenes Leben kümmern?

    Man sollte sich selber treu sein. Stark sein. Ich denke, wenn man sich aktzeptiert hat und im reinen mit sich ist, ist man glücklich. Egal wo. Egal wie.

    Ich wünsche dir ein schöne Woche :)

    1. Dankeschön. <3 Das ist so wahr. Es gibt da so ein Zitat, das es ziemlich auf den Punkt trifft: "Remember, Mondays are fine. It's your life that sucks." Montage sind doch eigentlich echt okay, solange man was macht worauf man Lust hat. :)
      Glück kann man definitiv nicht suchen, denn dann wird man nichts finden. Viele sollten vielmehr anfangen mit dem zufrieden zu sein, was sie haben und sich z.B. nicht ständig vergleichen.

      Danke für deinen wunderbaren Kommentar.
      Dir auch eine schöne Woche! :))

  2. Liebe Simone,

    vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Text, der ja fast schon ein Appell ist. Und Du hast so Recht, denn viel zu oft lassen wir uns von Umständen, Menschen und letztlich uns selbst abhalten unsere Träume zu leben. Ich sage immer: Jeder, so wie er möchte. Aber er soll es tun! Egal, ob es das Eigenheim mit drei Kindern und Hund ist oder die Weltreise im klapprigen Campervan, Hauptsache, wir leben unsere Träume und lassen uns nicht einengen. Vor allem nicht im Rumspinnen. Einfach Gedankenkarusell fahren und sich den ein oder anderen Punkt rausgreifen und umsetzen. Nichts ist schlimmer als zu Bereuen.

    Alles Liebe,
    Mandy

    1. Jaaa, definitiv ein Appell an uns Nörgler (und da schließe ich mich nicht aus, obwohl ich es fast abgestellt habe bzw. versuche). Oft ertappe ich mich dann wieder dabei.
      Du hast so recht. Stell dir mal vor wir sitzen mit 85 in unserem Schaukelstuhl am Strand und sagen “Mist, hätte ich das mal gemacht”. Unvorstellbar!

      Liebste Grüße für Dich!

  3. Ja. Ja. Ja.

    Ich glaube nicht unbedingt, dass es woanders besser ist, denn wie du schon sagst, man nimmt sein Päckchen überall hin mit und wenn es mir in der Karibik besser geht, weil die Sonne scheint und nicht nur so tut, so habe ich hier in Deutschland einige andere (wichtige!) Vorzüge.
    Trotzdem: Immer machen, immer machen, was du willst und am Ende authentisch bleiben. Sehr wahr.

    Wir sehen uns :) Und quatschen weiter!

    LG und ebenfalls MERCI fürs Verlinken!
    A

    1. Sehr sehr gerne. Der Beitrag schlummerte schon länger im “System” (was ein anti-emotionales Wort). Das stimmt, wir haben in Deutschland viele Vorzüge, aber das kann manchmal nicht alle negativen Dinge wett machen. Im Endeffekt hält es aber vermutlich die Waage und dann liegt es an einem selbst.

      Freue mich schon auf die ITB und euch!

      LG

  4. Liebe Simone,

    ein sehr schöner Beitrag. Ich freue mich immer wenn ich lese, dass es immer mehr Menschen gibt die ihr Leben bewusst leben bzw. in die Hand nehmen und nicht mit dem Strom mit schwimmen. Denn wie du so schön schreibst, man hat nur das Eine und man kann nie wissen wann es vorbei ist. Weglaufen wollte ich früher auch immer – was auch bei mir keine Lösung gewesen wäre – umso glücklicher bin ich über mein tägliches Ankommen und das sogar in der eigenen Heimat. ;-)
    Herzliche Grüße,
    Claudia

    1. Danke für deinen Kommentar!
      Wir haben nun mal nur das eine Leben und das sollte wir voll auskosten. Man muss definitiv mit sich selbst im Reinen sein und das Leben zu schätzen wissen. Glücklich sein über das tägliche zuhause ankommen – das wissen viele gar nicht zu schätzen. Ich bin da total deiner Meinung. Jeder muss das finden, was ihn glücklich macht. Für mich sind es die Reisen und für andere vielleicht ganz andere Dinge.

      Liebste Grüße,
      Simone

  5. Wow, dieser Artikel kommt wie gerufen. Genau das habe ich jetzt gebraucht, vor allem der Ratschlag der dir das Ehepaar gegeben hat. So wahr. Ich stehe gerade vor der Entscheidung die Ausbildung zu einem “sicheren” Job aufzugeben und mich stattdessen komplett der Kunst zu widmen. Ich hab eine Scheissangst, aber ich weiss, dass ich es bereuen würde, wenn ich es nicht täte.

    Ich kann immer wieder nicht glauben, wie wenig ernst so viele Leute ihre Träume nehmen. Die sind ja nicht umsonst da, die bedeuten was. Und dann fragt man sich noch, warum alle so unglücklich sind.

    Ich hoffe du gehst in grossen Schritten auf deine Träume zu,

    Fatima

    1. Danke Dir!
      Ja, und die beiden haben so Recht. Ich bin definitiv der Meinung, dass man seinen Träumen folgen sollte. Es gibt immer einen Weg, falls es nicht klappt. Aber es gibt doch nichts Schlimmeres, als später zu bereuen, dass man es nicht gemacht hat, oder?

      Reisen ist definitiv ein großer Traum von mir, dem ich schon lange folge und ich liebe es immer mehr. Es ist einfach toll die Freiheit zu besitzen all das machen zu können. Ich wünsche Dir auf deinem Weg alles Gute! Du machst das schon!

      LG, Simone

  6. WOW, Simone! Der Beitrag hat mich wirklich berührt, weil es sich so stark mit meinen Erfahrungen deckt. Ich finde es schön, dass du dir auch die Frage gestellt hast, was dir wirklich im Leben wichtig ist. Das macht Vieles einfacher.

    Nachdem mir klar wurde, dass ich lieber ein einfacheres und interessanteres Leben möchte, anstatt den “Träumen der Werbeindustrie” hinterherzulaufen war für mich auch der Drops mit der Festanstellung gelutscht…wofür mich total abknüppeln wenn ich mir den ganzen Mist sowieso nicht kaufen möchte.

    Es ist irgendwie ein lustiger Zufall, dass ich gestern einen ähnlichen Beitrag gepostet habe bei dem es auch darum geht jetzt zu machen woran man Freude hat und nicht alles immer wieder aufzuschieben. Es würde mich freuen, wenn du mal reinschaust: http://danielholl.com/jetzt-oder-nie/

    Liebe Grüße,

    Daniel

    1. Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Es gibt aber auch bei Festanstellungen die Möglichkeit glücklich zu sein, nämlich dann, wenn man genau das tut, wofür man brennt. Ich verliere einfach mit jeder Reise das Interesse an materiellen Dingen, von denen man die meisten sowieso nicht benötigt. Klar gebe ich gerne mal Geld für eine neue Kamera aus oder einen neuen Laptop, wenn ich diesen nach wirklich benötige. Aber bei vielen Dingen frage ich mich einfach “Brauche ich das wirklich?” und meistens kann ich es mit “nein” beantworten. Und ohne das wäre das ganze Reisen auch gar nicht möglich.

      Ich schaue bei deinem Artikel auf jeden Fall rein. Danke dafür!
      LG, Simone

  7. Hey Simone!
    Bin echt begeistert von dem was du schreibst-und wie du es schreibst.
    Das deckt sich auch sehr mit meinen Erfahrungen.
    Auch Wolkenweit an sich find ich super.
    Hast auf jeden Fall einen neuen Fan

  8. Normalerweise hinterlasse ich selten Kommentare auf Blogs, aber in diesem Fall konnte ich einfach nicht anders. Deine Worte haben mich sehr berührt und du sprichst mir aus dem Herzen! Danke für diesen inspirierenden Text, die motivierenden Worte und die beeindruckenden Zitate!
    LG Felicitas

  9. Simone, ganz toller Artikel.
    Mir ging das genauso und ich mag auch diese Vorstellung woanders zu leben … und daher ich hab was dagegen getan. Seit ganz kurzem bin ich weg von Österreich und nun als digitale Nomadin in aller Welt unterwegs, so wie es mir passt. Ich hab das Glück drei für wichtige Dinge dabei machen zu können: Leben genießen & Chillen, Arbeiten & ein gesichertes Einkommen haben, neue Länder & Menschen kennenzulernen.
    Und ich stimme Mandys Kommentar zu – es ist ein Appell. Ein Appell an all die, die im Trott feststecken und denen irgendwas fehlt im Leben. Du hast es sehr gut geschrieben und ich kann nur ergänzen: Leute, macht es einfach. Fangt langsam an und vielleicht, wer weiß ergibt sich ein ganz neues Leben mit vielen neuen Möglichkeiten wie bei mir und dir. Ich kann nur sagen, es ist ein irre befreiendes Gefühl, das hier und da zwar eine Prise Aufregung mit sich bringt, aber meistens eine positive Prise! Wer einen solchen Schritt der Lebensveränderung wagt, für den wird es, wie soll ich sagen, vielleicht so ein Gefühl geben, als wenn du dir ein heißes Bad einlässt und dann so langsam reinrutschst und dich entspannst.
    Alles Gute,
    Nela
    http://travel.asktherabbit.net

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