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Neuseeland: Tongariro Alpine Crossing – auf Wolkenhöhe durch Mittelerde

Tongariro Alpine Crossing, Neuseeland

Die beste Tageswanderung in Neuseeland bietet alles was das Natur- und Wanderherz begehrt. Vulkanische Krater, smaragdgrüne Seen, Berggipfel und Panoramablicke auf Wolkenhöhe, alles rund um meine himmlisches Erlebnis im „Herr der Ringe“-Filmset erzähle ich euch jetzt.

Es ist acht Uhr morgens, als wir – noch sehr verschlafen – auf den Parkplatz am Tongariro Nationalpark fuhren. In diesem Moment konnten wir uns noch nicht vorstellen, dass wir gleich acht Stunden und 19,4 km durch Vulkane wandern, schließlich sind wir gerade erst aus dem tiefen Schlaf im Campervan erwacht. Ein kleiner Bus brachte uns mit ein paar anderen zum Startplatz am Mangatepop Hut-Parkplatz in 1100 m Höhe. Wir bekamen von unserem Fahrer – einem wahrhaften Maori – eine kurze Einweisung und er sang uns noch ein Lied in maorischer Sprache vor. Das mache er immer, wenn er seine Mitfahrer auf die Wanderung schickt. Ich hatte zwar nicht die geringste Ahnung, was er da sang, aber es hörte sich schön an und er sagte uns, dass wir nun bei der Wanderung beschützt werden. Anschließend machte er noch ein Gruppenfoto von uns, falls wir vermisst werden und er gab uns seine Visitenkarte, damit wir ihm schreiben können, wenn wir am Ziel sind. „Don’t forget to text me“, ermahnte er uns ein paar Mal. Sollte sich eine der Ampeln auf der Wanderung von Grün auf Rot ändern, so müssen wir den ganzen Weg zurück laufen – ganz egal, ob wir nur noch einen Kilometer vor uns hätten.

Die erste Stunde führte uns über Trampelpfade und endlos wirkende Holzstege an einem Bach entlang, durch eine atemberaubende Szenerie. Die Landschaft war karg, aber wunderschön. Der Himmel war mit ein paar Wolken bedeckt und zwischendurch blinzelte die Sonne hindurch, perfektes Wanderwetter. “Schon einen Kilometer geschafft”, rief meine Freundin etwas belustigt, denn der Weg war nach jedem Kilometer mit einer Angabe markiert. Es waren also noch genau 18,4 km, die vor uns lagen. Die Aussicht war jetzt schon spektakulär und zeigte uns ein Panorama, das seines gleichen sucht. Links und rechts wurden wir von riesigen Berggipfeln eingesäumt, neben uns Türme aus Lavagestein. Wolken warfen Schaften auf die Landschaft.

Mit zunehmender Strecke wurde der Anstieg steiler.

Langen und geraden Wegstrecken folgten treppenartige Stufen aus großen Steinen. Langsam, aber sicher kam ich ins Schwitzen. Der anfangs lange und ebenerdige Weg änderte sich in einen steileren Anstieg. Nach einer weiteren Stunde ging es dann erst richtig los und die sog. “Treppe des Teufels” machte ihrem Namen alle Ehre. 200 Meter krochen wir steil bergauf zum South Krater. Langsam verloren wir vier Mädels uns. Die einen konnten nicht mehr, wurden langsamer und pausierten, die anderen wollten den Höllenaufstieg schnell hinter sich bringen. Der steilste Aufstieg war mit Drahtseilen zum Festhalten gesichert – einige rutschten dennoch ab.

Oben angekommen, gab es mit der grandiosen Panoramaaussicht eine Belohnung, die nicht schöner hätte sein können. Ringsherum große Krater und einen wunderbaren Ausblick auf Vulkankegel Ngauruhoe des Schicksalsbergs aus „Herr der Ringe“ – Filmfans eher bekannt unter „Mount Doom“.  Viele Szenen, wie Mordor, wurden hier gedreht und ich kam mir tatsächlich vor wie Frodo im Film. Das i-Tüpfelchen waren die Wolken, die auf Augenhöhe an uns vorbei zogen und dessen Schatten spektakuläre Lichteffekte an den Kratern kreierten. Es war atemberaubend und die Strapazen bereits vergessen – vorerst zumindest.

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Nach einer Weile Pause brachen wir dann zur nächsten Etappe auf. Wir hatten noch einige Kilometer vor uns und die Zeit im Nacken, denn wenn wir die Strecke nicht schaffen, müssten wir mit Vulkangestein als Kopfkissen am Wegesrand schlafen. Der Weg führte weiter zum Hang eines aktiven Kraters und dem höchsten Punkt der Wanderung. Ein sehr steiler Abstieg im tiefen Sand brachte uns anschließend zu drei mit smaragdgrünen Wasser gefüllte Krater, die sog. Emerald Lakes. Es sah giftig aus, was mich jedoch nicht davon abhielt die Gopro einmal unter Wasser zu halten.

Neuseeland, Tongrario Alpine Crossing, Track

Neuseeland, Tongrario Alpine Crossing, Track

Tongariro Alpine Crossing Wanderung

Wir hatten nun endlich die Hälfte der Wanderung geschafft. Der Weg wurde einfacher, aber zog sich wie Kaugummi. Das letzte Stück von mehreren Kilometern führte durch eine büschelige Hügellandschaft und schließlich durch einen üppig grünen Regenwald. Die wunderschöne Natur konnte ich hier nicht wirklich mehr genießen, zu sehr war ich auf meine schmerzenden und brennenden Füße konzentriert und darauf, es irgendwie zum Parkplatz zu schaffen. Ich hatte  keine Blasen an den Füßen, aber sie brannten höllisch. Der Weg schien einfach kein Ende zu nehmen und so folgte nach jeder Wegesecke im dichten Grün ein kleiner Adrenalin-Kick. Der Gedanke „Jetzt sind wir bestimmt da“ löste sich jedoch schnell wieder in Luft auf, als sich der Weg wieder ins Nirvana weiter schlengelte. Als wir nach weiteren 60 Minuten endlich am Ziel ankam und von einem netten Backpacker mit „You did it“ begrüßt wurden, war ich endlos überglücklich und ein wenig stolz.

Fazit

Das Tongariro Alpine Crossing in Neuseeland zählt zu den schönsten Eintageswanderungen auf der Welt und das zu Recht. Wer auf der Nordinsel unterwegs ist, sollte dieses Abenteuer unbedingt einplanen.  Für mich war es eines der Highlights während unseres einmonatigen Roadtrips in Neuseeland. Die brennenden Füße haben sich schnell erholt, aber die traumhaften Erinnerungen bleiben…

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Neuseeland, Tongrario Alpine Crossing, Track
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Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing

Tongariro Alpine Crossing

Tageswanderung Neuseeland

Tongariro Alpine Crossing Neuseeland

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Nützliche Informationen & Tipps

Wie komme ich hin? Ein- und Ausgangspunkt sind an verschiedenen Orten. Daher ist ein Busticket eines lokalen Touranbieters notwendig (vorher planen). Wir haben am Ketetahi Parkplatz geparkt und ein Van hat uns zum Mangatepopo Valley Startpunkt gebracht.

Welche Ausrüstung benötige ich?: Das Wetter kann sich schlagartig ändern, daher sollte man auf Sonne, Wind, Schnee, Eis und Kälte vorbereitet sein. Einpacken: Genug Getränke & Snacks, Regenjacke, Fleece-Jacke, Mütze, Sonnencreme, Kamera.

Wie schwer ist die Wanderung? 7 bis 8 Stunden, 19,4 km und 1886 Höhenmeter. Die Wanderung beginnt bei 1120 Höhenmeter, der höchste Punkt (Red Crater) liegt bei 1886 Meter. Ein wenig Sportlichkeit ist also vorausgesetzt. Der steile Anteil ist kürzer, wenn man den Track vom Mangatepopo Valley Ende (vom State Highway 47 aus) beginnt, so machen das die meisten. Es kamen uns ca. fünf Personen entgegen, die den Track also entgegengesetzt gelaufen sind.

Übernachtung: Das Tongariro Alpine Crossing eine der beliebtesten Tageswanderungen Neuseelands und weltweit. Eine Übernachtung ist nicht notwendig, aber möglich, z.b. bei der Mehrtageswanderung.

Nachhaltigkeit: Der Tongariro Nationalpark zählt zum Weltnaturerbe der UNESCU.

You never walk alone: Rund 700 Menschen machen sich in den Sommermonaten morgens auf den Weg am Tongariro. Man ist also nie alleine.

Gefährlichkeit: Der Tongariro ist ein aktiver Vulkan aus der Taupo Volcanic Zone. Der Mount Ngauruhoe, Red Crater und Te Maari Craters sind aktive Krater, die jederzeit ausbrechen können. Es gibt Alarmtafeln, die mit einem Ampelsystenm die aktuelle Aktivität zeigen.

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Kategorie: Neuseeland

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Hi! Ich bin Simone, Onlinerin von Herzen, Weltentdeckerin mit Dauerfernweh – und einem Faible für exotische Reiseziele. Ich liebe das Meer, Inselparadiese & Abenteuer. Wenn ich nicht gerade auf den Seychellen mit einer Kokosnuss am Strand liege, Riesenschildkröten knutsche oder im Meer plansche, dann bin ich woanders auf dieser wundervollen Welt unterwegs. Meine Schwester sagt immer: „Chill' doch mal“, aber dafür ist das Leben doch viel zu kurz, oder? Mehr über mich

3 Kommentare

  1. nicole sagt

    total der Hammer! Die Fotos sind so genial! Wenn ich es irgendwann mal bis nach Neuseeland schaffe, will ich das unbedingt auch machen! Danke für den Artikel und die Bilder!
    LG
    Nicole

    • Dankeschön und JAAA, es war der absolute Hammer. Neuseeland war wirklich eines meiner schönsten Erlebnisse.

      LG
      Simone

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