Estland – das perfekte Reiseziel für Naturliebhaber, Abenteurer und alle, die das Unentdeckte suchen.
Wir waren 10 Tage und rund 1.200 Kilometer mit dem Mietwagen unterwegs – auf einem Estland Roadtrip, die uns von tiefen Wäldern über einsame Inseln bis in die wilde Hauptstadt Tallinn führte. Wir übernachteten in gemütlichen Gasthöfen, modernen Hotels, einer abgelegenen Bärenhütte und sogar auf einer Insel mit nur 70 Einwohnern. Wir wanderten durch Nationalparks und Hochmoore, paddelten mit dem Kanu über überflutete Waldlandschaften, entdeckten goldene Ostseestrände – und suchten nach Bären, Elchen und sogar Robben.
Klingt nach Abenteuer? War es auch!
Doch erstmal zurück zum Anfang: Estland ist das nördlichste Land des Baltikums – etwa so groß wie die Niederlande, aber mit nur rund 1,4 Millionen Einwohnern deutlich weniger besiedelt. Fast die Hälfte des Landes ist bewaldet, dazu kommen unzählige Seen, Moore und über 1.500 Inseln. Die Küstenlinie? Ganze 3.800 Kilometer – sechsmal länger als die Landesgrenze an Land.
Ein wahres Paradies für alle, die Natur lieben, Tiere beobachten möchten oder einfach gerne abseits der Touristenrouten reisen. Denn Estland hat nicht nur eine der höchsten Raubtierdichten Europas, sondern auch einen ganz eigenen Rhythmus. Braunbären, Luchse, Elche, Rehe und Wölfe leben hier in freier Wildbahn – und machen eine Estland Rundreise zu einem echten Naturerlebnis.
Ich kann euch also jetzt schon verraten: Dieser Estland Roadtrip war eines meiner Reise-Highlights der letzten Jahre. In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf unsere Estland Rundreise.
INHALT
- Estland Roadtrip – Karte & Route
- Die Highlights unseres Estland Roadtrips
- Die (fast) einsame Insel Prangli
- Seehunde auf der Insel Malusi – Klassik trifft Wildnis
- Auf nach Alutaguse – Braunbären beobachten und mitten im Wald übernachten
- Der Lahemaa Nationalpark – Wandern zwischen einsamen Stränden und traumhaften Wäldern
- Der Soomaa Nationalpark – Moorschuhwandern im Hochmoor
- Soomaa Nationalpark – Kanu fahren auf dem Fluss Raudna
- Haapsalu, ein kleiner Schatz im Nordwesten Estlands
- Die Hauptstadt Tallinn – Alternativer Städtetrip zum Abschluss
- Estland Roadtrip – Alle Orte & Unterkünfte auf einen Blick
- Estland Roadtrip – mein Fazit
- Fakten & Tipps für deinen Estland Roadtrip
- Nützliche Links
Estland Roadtrip – Karte & Route
Unser Estland Roadtrip führte uns in 10 Tagen einmal quer durchs Land – vorbei an wilden Nationalparks, einsamen Stränden, moosbedeckten Mooren und charmanten Dörfern. Wir starteten und endeten in Tallinn und haben dabei rund 1.200 Kilometer mit dem Mietwagen zurückgelegt.
Die Highlights unseres Estland Roadtrips
Jeder Tag unserer Reise hatte seinen ganz eigenen Charakter – von stillen Inselmomenten bis zu wilden Moorwanderungen. Der erste richtige Stopp: eine fast vergessene Insel mitten in der Ostsee.
Die (fast) einsame Insel Prangli
Unsere Estland Rundreise beginnt mit einem echten Ruhepol: Prangli Island. Nach einer späten Ankunft in Tallinn und einer kurzen Nacht fahren wir am nächsten Morgen früh los Richtung Hafen von Leppneeme, etwa 30 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt. Dort wartet nicht nur die Fähre, sondern auch Annika von Tallinn Day Trip, unsere sympathischer lokaler Tourguide – Lehrerin, Insulanerin und echte Prangli-Kennerin.


Prangli ist klein – 6,44 km² groß, mit nur rund 300 Bewohnern im Sommer und gerade einmal 70 im Winter. Es gibt ein winziges Museum, eine Kirche, einen Mini-Shop und ein Volkshaus. Die Schule? Zählt gerade drei Schüler – die Annika übrigens selbst unterrichtet. Für den Englischunterricht nimmt sie ihre Schüler manchmal einfach mit auf Tour – toll, oder?
Natur, Blaubeeren & Gelassenheit
Wir erkunden die Insel erst im Jeep, dann per Fahrrad. Groß ist sie nicht – und genau das macht sie so besonders. Zwischen Kiefernwald, Blaubeersträuchern und stiller Küste erleben wir eine entschleunigte Welt: kein Lärm, keine Hektik, nur Natur und Weite. Wir naschen Blaubeeren direkt vom Strauch, pausieren an verlassenen Stränden und lassen die Gedanken treiben. Ein Ort zum Abschalten – und Ankommen.
Estnische Küche zum Ankommen
Übernachtet haben wir im Praaga Farmstay – gemütlich, familiär und genau richtig für den Start. Abends gab es frisch geräucherten Fisch, Risotto mit selbst gepflückten Pfifferlingen, Salat, hausgemachtes Brot und Limonade – alles aus der Region, ehrlich, liebevoll und sättigend. So schmeckt Estland.
Nach zwei entschleunigten Tagen auf Prangli waren wir bereit für den nächsten Abschnitt unseres Roadtrips – und ein bisschen mehr Zivilisation.
- Hier kannst du die Unterkunft buchen: Praaga Farmstay – Prangli Islan




Seehunde auf der Insel Malusi – Klassik trifft Wildnis
Am nächsten Morgen denken wir, es geht zurück aufs Festland – aber Annika hat noch eine Überraschung parat: Unsere Insel-Tour ist noch nicht vorbei. Sie holt uns mitsamt Gepäck ab, fährt uns zum kleinen Hafen von Prangli – und dort wartet schon ihr Mann mit Boot, Tochter und großer Vorfreude.
Unser Ziel: die Malusi-Inseln – unbewohnte, windumtoste Eilande mitten in der Ostsee, rund 45 Bootsminuten von Prangli entfernt. Keine Menschen, keine Häuser – aber dafür: Seehunde. Viele davon.
Anfangs wirkt das Meer ruhig und leer. Doch Annika kennt das Spiel: Um die neugierigen Tiere anzulocken, spielt sie klassische Musik über Lautsprecher. Ja, wirklich. Angeblich mögen Seehunde besonders gerne sanfte Streicherklänge. Und siehe da – nach wenigen Minuten strecken die ersten neugierigen Köpfe aus dem Wasser. Sie nähern sich langsam dem Boot, schauen freundlich, tauchen wieder ab. Wir beobachten sie. Keine Touristen weit und breit – nur wir, das Meer, Musik und diese wunderbar sanften Meerestiere.
→ Estland Highlight-Tipp: Diese Tour ist nicht offiziell buchbar – sondern ein echtes Insidererlebnis über Annika und ihre Familie. Nachfragen lohnt sich!

Auf nach Alutaguse – Braunbären beobachten und mitten im Wald übernachten
Unser nächster Zwischenstopp auf dem Estland Roadtrip führt uns zunächst nach Rakvere, einer eher unscheinbaren Stadt im Norden. Viel los ist hier nicht – außer die Burg von Rakvere, die mit einer mittelalterlichen Folterkammer-Führung und einer unterirdischen Höllentour aufwartet. Gruselig? Auf jeden Fall. Und definitiv die 7 Euro Eintritt wert – besonders, wenn man sich wie wir dabei fast die Seele aus dem Leib schreit.
Doch eigentlich sind wir hier wegen etwas anderem: Braunbären. In Rakvere treffen wir unseren Guide Bert Rähni, der uns mitnimmt in die dichten Wälder von Alutaguse, einem der bärenreichsten Gebiete Estlands.
Mitten hinein ins Reich der Braunbären
Gegen 11 Uhr fahren wir gemeinsam los – Richtung Osten. Die Straßen werden schmaler, die Landschaft wilder. Immer tiefer geht es hinein in ein Meer aus Fichten, Kiefern und Zitterpappeln. Keine Häuser, kaum Menschen – nur Natur. Fast die Hälfte Estlands ist mit Wald bedeckt und genau hier leben über 700 Braunbären – mehr als in jedem anderen Land Europas in dieser Dichte.
Bert zeigt uns ein verlassenes Bärennest, in dem ein Tier im vergangenen Winter seinen Winterschlaf gehalten hat. In Estland wird ein solches Nest automatisch zum temporären Naturschutzgebiet – mit einem 300-Meter-Radius. Wer es findet, muss es melden. Hier nimmt man den Schutz der Tiere ernst.

Eine Nacht in der Bärenhütte
Am späten Nachmittag bringt Bert uns zur Bärenhütte, wünscht uns Glück – und lässt uns allein im Wald zurück. Kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Netz. Dafür: Stille, Spannung – und Tierdokumentation live.
Die Holzhütte bietet Platz für acht Personen, ausgestattet mit Hochbetten, Trockenklo und einem Sichtfenster mit Beobachtungsschlitzen. Etwa 30 Meter entfernt befindet sich eine Futterstelle – dort können sich die Tiere zeigen, wenn man leise ist … und Glück hat.
Mit Ferngläsern, Süßigkeitenvorräten und Bier machen wir es uns in der Hütte gemütlich. Schon nach 30 Minuten erscheinen die ersten Besucher: Füchse und Marderhunde. Und dann – ein dunkler Schatten. Ein Bär. Ganz real. Ganz nah. Riesig. Und wunderschön.
Wir verbringen fünf Stunden im Flüstermodus, beobachten, staunen, naschen, flüstern. Und fühlen uns wie in einer Live-Doku – nur echter. Am Ende fallen wir todmüde, aber überglücklich in unsere Betten.
Morgens allein aus dem Wald
Vor 8 Uhr darf man die Hütte nicht verlassen – wegen der Bärenaktivität. Als wir schließlich am Morgen leise aufbrechen, ist uns etwas mulmig. Was, wenn uns einer der Bären begegnet? Wir erinnern uns an Berts Worte: „Redet ganz normal – aber dreht einem Bären niemals den Rücken zu.“ Ein letzter Nervenkitzel – und ein unvergessliches Erlebnis.
Infos zur Bärenbeobachtung in Estland
- Unsere Tour zur Bärenbeobachtung mit Natourest buchen
- Die Hütte liegt ca. 1,5 Stunden östlich von Tallinn. Der Guide übernachtet nicht mit in der Hütte, macht jedoch eine kurze Tour.
- Kleidung: Warme, bequeme Kleidung und festes Schuhwerk (Schlafsäcke sind vorhanden, wir hatten jedoch unsere eigenen dabei)
- Parfüm und intensive Deos sind nicht erlaubt, denn das vertreibt die Bären, genauso wie laute Gespräche.
- Was mitnehmen? Unbedingt ein Fernglas, da es hilft, Wildtiere aus der Ferne und in den dunklen Stunden zu erkennen – ansonsten für 5 € pro Nacht ausleihen. Eigenes Essen und Wasser muss auch mitgebracht werden.

Live-Doku vor der Fensterscheibe: Braunbärenbeobachtung in Alutaguse – Gänsehaut garantiert.


© Danke an meine Reisepartnerin Mandy Jochmann für die Bärenfotos (mein Zoom hat leider nicht gereicht)
Der Lahemaa Nationalpark – Wandern zwischen einsamen Stränden und traumhaften Wäldern
Unser nächster Stopp führt uns nach Altja, einem kleinen, urigen Fischerdorf im Norden Estlands – und gleichzeitig Tor zum Lahemaa Nationalpark. Der älteste und größte Nationalpark des Landes zählt zu den bedeutendsten Waldschutzgebieten Europas und ist ein echtes Paradies für Naturliebhaber.
Wir starten unsere Wanderung direkt an der Küste – und was sich uns hier zeigt, erinnert fast ein wenig an Neuseeland: Auf der einen Seite lichte Kiefernwälder, moosbedeckt, durchzogen von Beerensträuchern und Pilzen. Auf der anderen Seite: offene, goldene Strände, windumtost und menschenleer. Ein perfekter Ort, um einfach loszulaufen und die Gedanken ziehen zu lassen.
Der Lahemaa Nationalpark bietet zahlreiche, gut markierte Wanderwege in verschiedenen Längen, sodass hier wirklich jede:r fündig wird – ob Spaziergänger oder Langstrecken-Fan.
→ Estland Roadtrip Tipp: Altja eignet sich ideal als Übernachtungsort – ruhig, authentisch, perfekt gelegen mitten im Nationalpark.





Der Soomaa Nationalpark – Moorschuhwandern im Hochmoor
Nach einem entspannten Frühstück in Altja machen wir uns auf den Weg in den Süden – unser Ziel: der Soomaa Nationalpark, eines der größten und spektakulärsten Hochmoorgebiete Europas. Die knapp 220 Kilometer Fahrt sind landschaftlich wunderschön – und erinnern uns daran, dass Estland zwar klein, aber autobahnfrei ist. Wir brauchen knapp drei Stunden.
Im Naturzentrum des Parks erwartet uns Dagmar, unsere deutschsprachige Moorguide. Vor über zehn Jahren ist sie aus Deutschland nach Estland ausgewandert – heute kennt sie das Moor besser als jeder andere.
Nach einer kleinen Einführung und einem stärkenden Mittagessen geht’s los – nach Karuskose, dem Startpunkt unserer Wanderung.
Zuerst laufen wir über Holzbohlenwege durch einen feuchten, dichten Wald, dann steigen wir einen etwa sechs Meter hohen Moorhang hinauf – und stehen plötzlich in einer Welt, die sich komplett von allem unterscheidet, was wir kennen.

Willkommen im Moorland
Das Hochmoor besteht vor allem aus Torfmoosen, die sich über Jahrtausende zu einem riesigen, schwammartigen Gebilde aufgeschichtet haben. In den flachen Senken glitzern kleine Moorseen – im Sommer willkommene Badestellen für Einheimische, im Herbst mystisch-nebelverhangen. Die Stille ist beeindruckend: Kein Laut, kein Mensch, kein Motor – nur Natur.
Wer abseits der Holzstege laufen möchte, braucht die passenden Schuhe – sogenannte Moorschuhe (ähnlich wie Schneeschuhe), die verhindern, dass man im weichen Boden versinkt. Ohne Guide sollte man das nicht versuchen – zu leicht verliert man die Orientierung.
→ Estland Highlight: Moorschuhwandern im Soomaa ist absolut einzigartig – wie über eine federnde Wasserwelt laufen, weit weg von der Zivilisation.



Soomaa Nationalpark – Kanu fahren auf dem Fluss Raudna
Am nächsten Morgen steht das nächste Abenteuer auf unserem Estland Roadtrip an: Kanutour auf dem Fluss Raudna, einem der größten und naturbelassensten Flüsse des Landes.
Wir treffen Edu Kull, unseren lokalen Guide, am Riisa Rantso Parkplatz im Soomaa Nationalpark. Nach einer kurzen Einweisung fahren wir gemeinsam zum Startpunkt – dort warten bereits zwei Kanus auf uns. Unsere Strecke: eine vierstündige Paddeltour durch die absolute Wildnis.
Lautlos durch unberührte Natur
Der Raudna-Fluss zeigt sich von seiner schönsten Seite: spiegelglattes Wasser, unzählige Bibernester am Ufer, überhängende Äste und das Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein. Kein Straßenlärm, keine anderen Boote, nicht einmal andere Menschen – nur wir, das Kanu und das leise Plätschern des Wassers. Die sanfte Strömung macht das Paddeln einfach – und ermöglicht es, sich treiben zu lassen, während wir die Stille genießen.




Die 5. Jahreszeit – wenn der Wald zur Wasserlandschaft wird
Der Soomaa Nationalpark ist nicht nur für seine Moore bekannt, sondern auch für ein ganz besonderes Naturphänomen: die sogenannte fünfte Jahreszeit. Wenn im Frühling der Schnee schnell schmilzt, überfluten die kleinen Flüsse die Landschaft – und das gesamte Gebiet wird zur gigantischen Wasserwelt. Dann kann man sogar mit dem Kanu durch die Wälder paddeln – ein echtes Highlight für Abenteurer.
Der Soomaa Nationalpark ist übrigens vor allem für seine 5. Jahreszeit bekannt. Wenn der Schnee im Frühling schnell genug schmilzt und die vielen kleinen Flüsse das Schmelzwasser nicht mehr aufnehmen, kann man ein Naturschauspiel erleben. Die Gegend gleicht dann einer einzigen Seenlandschaft und man kann mit den Kanus bis in die Wälder paddeln.
→ Hier kannst du geführte Kanutouren im Soomaa Nationalpark buchen.
Sauna, Teich & Apfelkuchen im Põnka Gästehaus
Nach der Kanutour geht es für uns weiter zum Põnka Gästehaus im Pärnumaa-Gebiet, nur eine kurze Fahrt entfernt. Als wir dort ankommen, ist unser privater Saunaofen bereits vorgeheizt – der perfekte Ausklang für diesen Tag in der Natur.
Drei Saunagänge, jeweils mit einem Sprung in den 16 Grad kalten Schwimmteich, sorgen für Gänsehaut, Lachen und dieses ganz besondere estnische Lebensgefühl. Als unser Gastgeber uns noch vier eiskalte Biere bringt – für den nächsten Saunagang versteht sich – sind wir endgültig verliebt in diesen Ort.
Und weil es nicht besser geht: Zum Abendessen gibt es ein hausgemachtes Menü mit frischem Fisch, Ofengemüse und – natürlich – selbst gebackenem Apfelkuchen. Wir essen, lachen, reden bis spät in die Nacht. Glücklicher kann ein Reisetag nicht enden.
→ Hier kannst du die Unterkunft buchen: Põnka Gästehaus

Haapsalu, ein kleiner Schatz im Nordwesten Estlands
Unsere Naturabenteuer neigen sich langsam dem Ende zu, denn als Nächstes warten zwei letzte Nächte in Tallinn auf uns. Doch bevor wir die Hauptstadt erreichen, bekommen wir beim Frühstück im Gästehaus noch einen Geheimtipp: „Fahrt unbedingt über Haapsalu – das ist wie aus einem Bilderbuch.“ Gesagt, getan.
Haapsalu liegt an der Westküste Estlands, nur knapp zwei Stunden von Tallinn entfernt – und ist eine dieser Städte, die einen sofort verzaubern. Kleine Gassen, bunte Holzfassaden, gemütliche Cafés und ein Hauch von Seeluft machen diesen Ort zu einem perfekten Zwischenstopp auf einem Estland Roadtrip.
Ein Hauch von Bullerbü
Haapsalu erinnert uns sofort an Astrid Lindgrens Geschichten – und das ist kein Zufall. Denn die Illustratorin Ilon Wikland, die viele ihrer Bücher bebilderte, verbrachte ihre Kindheit hier, bevor sie nach Schweden zog. Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Lotta aus der Krachmacherstraße – die Häuser in Haapsalu könnten direkt aus den Büchern stammen.
Kein Wunder, denn es gibt eine direkte Verbindung: Ilon Wikland, die Illustratorin vieler Astrid-Lindgren-Bücher (darunter auch Bullerbü), hat in Haapsalu ihre Kindheit verbracht, bevor sie nach Schweden zog. Wenn man durch die kleinen Gassen schlendert, hat man das Gefühl, direkt in eine ihrer Zeichnungen hineingelaufen zu sein.
→ Estland Roadtrip Tipp: In Haapsalu lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt, ein Stück Kuchen im Straßencafé – und ein kurzer Besuch im Ilon’s Wonderland, einem kleinen Museum zu Ehren der berühmten Illustratorin.
Die Hauptstadt Tallinn – Alternativer Städtetrip zum Abschluss
Ganz ehrlich: Nach so vielen Tagen in Estlands stiller, wilder Natur konnte Tallinn diesen Roadtrip kaum noch toppen. Aber wir wollten der estnischen Hauptstadt trotzdem eine faire Chance geben – schließlich gilt sie als eine der schönsten Städte im Baltikum und ist ein beliebtes Ziel für einen Städtetrip nach Estland.
Statt klassischem Sightseeing mit Reiseführer und Selfie-Stick entscheiden wir uns für eine alternative Fahrradtour – einmal um die Stadt herum, bewusst abseits der bekannten Touristenpfade. Kein Altstadttrubel, sondern ein Blick auf das kreative, raue, echte Tallinn.
Unsere alternativen Tallinn Tipps
- Freedom Square & Shnelli Park – grün, ruhig, entspannt
- Balti Jaam Markt – ein Hauch Sowjet-Nostalgie trifft moderne Markthalle
- Telliskivi Creative City – ehemaliges Industrieviertel, heute voller Streetart, Designshops, Cafés & Start-up-Spirit
- Kalamaja – das hippe Holzhausviertel, liebevoll „Prenzlberg von Tallinn“ genannt
- Seaplane Harbour & Patarei Gefängnis – Geschichte mit Meerblick
- Estonian Design House & Café Klaus – stylisch, lokal, lecker
→ Estland Roadtrip Tipp: Wer schon in Tallinn ist, sollte sich Zeit für die kreativen Viertel außerhalb der Altstadt nehmen – dort pulsiert das moderne Estland.
- Mehr über Tallinn findest du hier: Meine Tipps für Tallinn – City Guide


Estland Roadtrip – Alle Orte & Unterkünfte auf einen Blick
Unsere Route Tag für Tag
- Tag 1: späte Ankunft am Flughafen Tallinn
Unterkunft: Hotel Nordic Forum (Tallinn) - Tag 2: Fahrt nach Leppneeme Hafen → Fähre zur Insel Prangli
Unterkunft: Praaga Gästehaus - Tag 3: Rückfahrt zum Festland → Weiterfahrt nach Rakvere
Unterkunft: Hotel Villa Theresa - Tag 4: Weiterfahrt in die Wälder von Alutaguse
Unterkunft: Bärenhütte im Wald - Tag 5: Fahrt zum Lahemaa Nationalpark, ins Dorf Altja
Unterkunft: Toomarahva Farmstay - Tag 6: Fahrt in den Süden zum Soomaa Nationalpark
Unterkunft: Klaaramanni Gästehaus - Tag 7: Erkundung des Soomaa Nationalparks
Unterkunft: Põnka Gästehaus - Tag 8: Weiterfahrt über Pärnu und Haapsalu nach Tallinn
Unterkunft: Palace Hotel - Tag 9: Fahrrad-Tag in Tallinn (Telliskivi, Kalamaja, Seaplane Harbour etc.)
Unterkunft: Palace Hotel - Tag 10: Rückreise vom Flughafen Tallinn mit Air Baltic
Estland Roadtrip – mein Fazit
Für mich ist Estland das wohl am meisten unterschätzte Reiseziel Europas. Was wir in diesen 10 Tagen erlebt haben, hätte ich so nie erwartet – und genau das macht diese Reise so besonders.
Estland ist ein Land für Naturliebhaber, Abenteurer, Ruhesuchende – und für alle, die sich gerne überraschen lassen. Von Bären-, Seehund- oder Elchbeobachtung über Wandern in Nationalparks, Moorschuhwandern im Hochmoor, Kanufahren auf stillen Flüssen oder Entschleunigen auf einer der 1.500 Inseln: Dieses Land bietet unfassbar viele Facetten – ohne dabei überlaufen oder künstlich aufbereitet zu wirken.
Was uns besonders gefallen hat: Die geringe Einwohnerzahl, die sich fast ausschließlich auf die Städte verteilt. In der Natur begegnet man oft niemandem – keine Reisegruppen, keine Insta-Spots, keine Warteschlangen. Stattdessen: Stille, Weite, Natur pur.
Estland ist touristisch noch kaum erschlossen. Viele Wanderwege sind nur auf Estnisch beschildert, Tourenanbieter sind schwer zu finden – und genau darin liegt der Reiz. Es fühlt sich an, als würde man etwas entdecken, das noch nicht für den Tourismus gemacht wurde.
Tallinn bot uns zum Schluss einen tollen Kontrast zur wilden Natur – kreativ, cool, jung. Aber mein Herz blieb ganz klar draußen: in den Wäldern, auf den Inseln und in der Stille zwischen den Moorseen.
Fakten & Tipps für deinen Estland Roadtrip
Zum Schluss noch ein paar praktische Tipps und Infos, die dir bei der Planung deines eigenen Estland Roadtrips helfen können – kompakt, ehrlich und direkt aus unseren eigenen Erfahrungen.
- Estland ist ein perfektes Roadtrip-Land – die schönsten Orte erreichst du nur mit dem Auto.
- Es gibt keine Autobahnen, aber gut ausgebaute Landstraßen mit wenig Verkehr. Benzin ist günstig – wir zahlten teilweise nur 0,99 € pro Liter.
- Früh buchen! Besonders Bärenhütten, Gästehäuser & Inselunterkünfte sind schnell ausgebucht. Auch Touren (z. B. Moorschuhwandern oder Kanufahren) sollten rechtzeitig reserviert werden.
- Estland ist ein echtes WLAN-Paradies – selbst in kleinen Orten oder Nationalparks gibt es oft kostenloses Netz. Öffentliche Einrichtungen, Cafés & Unterkünfte bieten flächendeckend Internetzugang.
- Zwei Nächte in Tallinn reichen, um die wichtigsten Viertel und alternative Spots zu entdecken. Danach zieht es einen schnell wieder raus in die Natur – versprochen!
- Es gibt direkte Flüge nach Tallinn, z. B. mit Air Baltic.
Jedermannsrecht
Wie in Skandinavien gilt auch in Estland das Jedermannsrecht: Du darfst dich frei in der Natur bewegen, wandern, zelten (außer auf Privatgrund), beeren- und pilzesammeln. Niemand darf dir den Zugang zu Wäldern, Seen, Flüssen oder Küsten verwehren – ein echtes Freiheitsgefühl.
Nützliche Links
- Lest hier auch den Reisebericht von meinen Reisebegleitern WE TRAVEL THE WORLD
- Die besten Tipps & Highlights für Estland
- Die schönsten Touren in Estland buchen





Warst du schon mal in Estland? Ich freue mich über deinen Kommentar unter diesem Blogbeitrag.
Hinweis: Diese Reise ist in Kooperation mit Visit Estonia entstanden. Vielen Dank für die schöne Zusammenarbeit.




28 Kommentare
Du hast mir gerade richtig Lust auf Estland gemacht, Simone – danke! Und: Super schöne Fotos! Liebe Grüße!
Ohhh, du liebe! Das freut mich sehr.
Danke für einen schönen Kommentar!
Liebe Grüße & hoffentlich bis bald,
Simone
Wow Wunderschön und ganz tolle Bilder hast Du gemacht. Estland ist ja fast wie auf Safari gehen ;-) Ich war diese Jahr in Tallinn und schon sehr angetan. Ich sehe schon, das Land muss ich mir auch noch genauer ansehen.
DANKE für dein schönes Feedback, das freut mich wirklich sehr.
Das Land hat es einem aber auch echt leicht gemacht mit den schönen Fotos. Du solltest also definitiv also nochmal das Umland erkunden! :))
LG, Simone
Estland fasziniert mich, seitdem ich ein kleines Kind bin. Ich habe damals eine Dokumentation gesehen und war sofort verliebt. Du bestätigst das nur noch!
Jaaa, dann musst du unbedingt bald hin! :))
Super Post! Ich bin vorgestern erst aus Estland zurückgekehrt und kann dir nur zustimmen: das kleine Land wird definitiv unterschätzt! Wir sind auch im Nordic Forum, in Tallinn, abgestiegen, was mir sehr gut gefallen hat. Außerdem waren wir noch in Pärnu und Tartu, der Unistadt. Ein wirklich tolles Land, wie ich finde!
Danke Julia! Du hast absolut recht und meine Erwartungen wurden alle mehr als übertroffen.
LG, Simone
Hallo Simone,
im Sommer habe ich ebenfalls einen Estland-Roadtrip gemacht, ich bin genauso begeistert wie du! Was du unbedingt beim nächsten Mal erleben musst, sind die Inseln Saaremaa und Muhu sowie der Peipussee. Wir sind am Seeufer bis zur russischen Grenze gefahren, die Natur dort ist nochmal ganz anders. Lahemaa und Soomaa haben mir auch super gefallen. Das Land ist wirklich total unterschätzt
Hey Astrid,
das glaub ich dir aufs Wort. Estland war wirklich toll und hat uns alle total überrascht. :)
Danke für deine Tipps! Am liebsten würde ich auch nochmal im Winter hin, da muss das auch ganz wunderbar sein.
Liebe Grüße aus Zansibar,
Simone
Hallo Simone,
ich glaube, dass ich mein Urlaubsziel 2016 gefunden habe. Ich überlege allerdings in ich die Tour mit dem Motorrad fahre.
Liebe Grüsse
Renner
Hallo Simone,
Ich glaube das ich grade mein Urlaubsziel 2016 entdeckt habe.
Ich überlege allerdings ob ich die Tour mit dem Motorrad fahre.
Liebe Grüsse
Renner
Jaaa, unbedingt. Estland war wirklich super schön und das hätte ich nie so erwartet. Mit dem Motorrad bietet sich das auch an. Wir sind mit dem Auto gefahren und September war echt ne coole Reisezeit.
LG, Simone
Hallo Simone,
ich war dieses Jahr auch das 1. Mal in Estland. Zum gröten Teil in Tallinn – was ich wunderschön fand.
Da mein Vater dort vor über 30 Jahren gearbeitet hat – und mir die Stadt gezeigt hat – war es ein alt/neu Vergleich.
Außerdem haben wir mit “einheimischen” Bekannten viel mit dem Auto gesehen…abgelegene Strände, wo zum Teil keine Menschenseele war, Nationalpark mit einer unbeschreiblichen Moorlandschaft und Wasserfällen.
Estland sieht mich jetzt mind. einmal im Jahr für ein paar Tage :-)
LG
Peaches
LG
Peaches
Hallo Simone,
in welchem Monat warst du unterwegs bzw. wann ist die beste Zeit für Wildbeobachtungen?
Ich stelle mir vor, dass man bei Dunkelheit in der Bärenhütte nichts mehr beobachten kann, oder?
LG Bettina
Hi Bettina,
wir waren im September dort und das war ein echt schöner Monat. In die Bärenhütte wird man gegen 17 Uhr gebracht und wir hatten dann bis zur Dunkelheit (so 22-23 Uhr) Zeit, die Bären und Tiere zu beobachten. Danach ist es eh dunkel und man geht schlafen. Am frühen Morgen sind wir dann auch bereits um halb 8 aufgebrochen, um zum Auto zurückzugehen.
LG, Simone
Hallo Simone,
bis wir im Mai/Juni nach Tallin fliegen, werde ich mich weiter durch deinen tollen Reisebericht lesen :) Neben Estland wollen wir uns auch Lettland anschauen.
Wo habt Ihr denn Euer Mietauto gebucht? Hast Du eine Empfehlung für mich?
Vielen Dank & liebe Grüße
Nicki
Hi Nicki,
leider weiß ich das nicht mehr, aber da gibt es ja mehrere Anbieter. Schau einfach mal.
LG,
Simone
Hallo Nicki,
ich hab deinen Post gelesen und dacht ich schreib einfach mal direkt drauf:
Wir wollen jetzt im September nach Tallinn und dann auch einwenig durchs land fahren. Hast du einen Tipp bzgl. Mietauto? Bei wem? WelchesAuto? oder auf was man speziell achten sollte?
Das wäre super!
Vielen Dank und schöne Grüße
Steffi
Hallo Simone,
Jetzt habe ich noch mehr lust auf meine geplante Backpacker Reise nach estland mit einer Freundin Meinst du das wir dort mit unserem Zelt gut klar kommen, wir sind nämlich bloss arme Studenten und möchten uns gerne die Unterkunftskosten sparen
Lg Jule
Hi Jule,
bzgl. Zelten bin ich überfragt. Wenn dann wohl im Sommer. Herbst, Winter und Frühling fallen definitiv weg, auch wegen des Hochwassers/Schnee etc.
Liebe Grüße,
Simone
Hallo Simone,
was für ein toller Bericht:) Was würdest du am ehesten weglassen, wenn man nur 8 Tage für einen Roadtrip Zeit hat?
Liebe Grüße,
Amy
Hi Amy,
schwer zu sagen. Es kommt darauf an, was ihr machen wollt. Die Bärenbeobachtung war super cool und Tallin auch, also das würde ich auf jeden Fall machen. LG Simone
Liebe Simone
Auch ich habe mich verträumt durch deinen Blogeintrag gelesen. Diesen August ist es soweit und ich fliege nach Tallinn. Wir werden zu Zweit mit Zelt und Auto unterwegs sein und das Land erkunden:) Dank dir konnte ich mir schon ein paar Highlights rausschreiben. Was mich noch interessieren würde: Wie schwierig ist das Autofahren in Estland? Gibt es viel Verkehr in Tallinn? Worauf muss man unbedingt achten?Ich nehme an ausserhalb ist es nicht so ein Problem.
Danke jetzt schon für deine Antwort.
Gruss, Jana.
Hi Jana, das Auto fahren war in Estland echt entspannt. Mach dir nicht zu viele Gedanken. :) Liebe Grüße, Simone
Super, danke!
Hallo Jana,
wir werden im September nach Tallinn fliegen und wollen dann auch ein wenig durchs land fahren und Estland erkunden. Hast du einen Tipp bzgl. Mietauto? Wo am besten mieten und auf was sollte man achten, damits hinterher keinen Stress gibt?
Ich wäre dir jedenfalls über Tipps dankbar!
schöne Grüße und vielen Dank!
Steffi
Hey Steffi,
leider kann ich dir da nicht helfen, aber schau doch mal online. Da gibt es doch unzählige Seiten. Ich würde den Mietwagen im Voraus aus Deutschland buchen.LG Simone