Estland Reise

Ich bin ehrlich. Ich hatte vor der Reise nach Estland überhaupt keine Vorstellungen von diesem Land im Baltikum. Es war für mich einfach völlig unbekannt und hatte bisher auch kaum etwas darüber gehört.

Viele denken bei der Planung einer neuen Reise eher nicht an Estland oder überhaupt an das Baltikum. So war es auch bei mir. Bei der Planung denke ich eher an andere Länder. Länder in Afrika. Oder an Inseln, wie die Seychellen. Oder in Europa an Länder in Nordeuropa wie Schweden, Dänemark oder Norwegen. Das Baltikum wird da aber wohl eher übersehen. Aber warum eigentlich? Ist es Unwissenheit? Sind es Vorurteile? Oder ist das Land einfach noch so unbekannt, dass es niemand im Hinterkopf hat?

Ich wusste nicht was mich erwartet, aber gerade das hat mich fasziniert. Komplett ahnungslos und damit auch völlig unbefangen, bin ich diese Reise angetreten und ich kann sagen: ich wurde täglich überrascht. Jeden Tag fragte ich mich, wieso hat mir das niemand vorher gesagt? Wieso weiß niemand, dass dieses unbekannte Land so viel zu bieten hat? Wieso weiß niemand, dass das kleine Estland so wunderschön ist und so viele Überraschungen verbirgt?

Estland ist touristisch bisher kaum erschlossen. Warum weiß niemand, aber dafür wissen wir jetzt, dass sich eine Reise mehr als lohnt. Estland ist die Heimat der Natur. In Estland blüht das Leben. Es gibt fünf Nationalparks mit tiefen Wäldern mit traumhaften Wanderwegen, über 1.500 Inseln, einsame Strände und noch so viel mehr. Nach dieser Reise kann ich sagen, Estland ist eine Reise wert und wieso genau, das erkläre ich jetzt.

LOHNT SICH EINE REISE NACH ESTLAND?

 

Baltikum Rundreise Estland

WÄLDER & NATIONALPARKS 

Die Natur Estlands ist ein Traum und die Nationalparks echte Highlights. Insgesamt gibt es fünf Nationalparks und viele andere Naturschutzgebiete, denn dem Land liegt besonders viel daran sein wunderbares Ökosystem zu erhalten.

Der  Lahemaa Nationalpark an der Nordküste ist einer der ersten Nationalparks des Landes – fast ein Drittel besteht aus Meer, der Rest aus Wälder. Tiefe Wälder mit dunklen Tannen, Kiefern und Moos. Lange und kurze Wanderwege führen vorbei an traumhaften Stein- und Sandstränden und saftig grünen Wäldern. Da lacht das Wanderherz!

Estland ist auch das Land der Moore, die zum Teil über 10.000 Jahre alt sind und etwa 1/4 des Landes bedecken. Der Soomaa Nationalpark ist zum Beispiel so ein Moor, genauer gesagt ein Gebiet aus Sümpfen und fünf Hochmooren, der besonders für seine 5. Jahreszeit bekannt ist, dann wenn der Schnee im Frühling schnell genug schmilzt und das Gebiet in eine Seenlandschaft verwandelt, kann man mit dem Kanu durch die Wälder fahren. Das möchte ich auf jeden Fall nachholen. Kein Wunder, dass dieses Hochmoor als Kandidat für die Aufnahme in das UNESCU-Kulturerbe gilt.

Aber auch sonst wartet der Park mit vielen Möglichkeiten, wie einer Moorschuhwanderung oder  Kanu fahren auf dem Raudna Fluss.

Mehr Infos:

  • Lahemaa Nationalpark: Einfach hinfahren und los wandern! (Website Lahemaa)
  • Sooma Nationalpark: Wer eine Moorschuhwanderung machen oder Kanu fahren möchte, sollte das am besten über die Sooma-Website buchen (Website Sooma)

Lahemaa Nationalpark, Estland

Lahemaa Nationalpark Estland
Strände im Lahemaa Nationalpark
Raudna Estland
Der Fluss Raudna im Soomaa Nationalpark

WILDTIERE

Du hast noch niemals Braunbären in der freien Wildbahn gesehen? Nein, dazu muss man nicht nach Kanada, sondern in das nur zwei Flugstunden entfernte Estland. In den Wäldern rund um Alutaguse, im Osten Estlands, leben über die Hälfte der 700 Braunbären des Landes. Hier empfiehlt sich eine Nacht in einer Bärenhütte, denn dann gibt es die Bärengarantie. Aber es gibt in den Wäldern nicht nur Braunbären zu sehen, sondern auch Luchse, Elche, Wölfe, Wildschweine, Rehe, Hirsche, Maderhunde oder Gleithörnchen. Estland hat übrigens die größte Raubtierdichte Europas.

Mehr Infos: Die Bärenhütte gehört NaTourEst und da kann man das auch buchen. Preis pro Nacht liegt bei 95 Euro, aber es lohnt sich!

Braunbären in Alutaguse Estland

Maderhunde in Estland


HERZLICHE GASTGEBER

In Estland kann man in urigen Unterkünften unterkommen. Alles ist sehr persönlich und wir wurden immer herzlich empfangen und verwöhnt. Frühstück und Abendessen wurde meistens nur für uns zubereitet und oft sogar im Wohnzimmer serviert. Ein Abendessen mit weniger als drei Gängen? In Estland undenkbar!

Meine Tipps für herzliche Unterkünfte in Estland: (jeweils zu Booking.com verlinkt)

Mittagessen auf PRangli Island
Mein Mittagessen auf Prangli Island: frisch geräucherte Forelle, selbstgemachte Limonade und Risotto, natürlich mit frisch geflückten Pfifferlingen aus dem eigenen Wald.

ÜBERALL WLAN – MEIN PARADIES

Na gut, fast überall, aber in Estland gibt es tatsächlich mehr Wlan, als in anderen Ländern Europas und es ist fast flechendeckend. Natürlich kostenlos, denn es gehört zu den Grundrechten des Landes. Das Leben der Esten findet online statt und das merkt man an jeder Ecke, so erledigen sie zum Beispiel auch Behördengänge online.

ESSEN – ODER WIE NEHME ICH IN 10 TAGEN AM SCHNELLSTEN ZU

Wie beschreibt man die Küche Estlands am besten? Kräftig, deftig, viel Fleisch, viel Wurst, aber alles frisch. Wenn sich eines wie ein roter Farben durch unsere Mahlzeiten zog, dann war es Fisch oder Fleisch und die Erinnerung an Omas Küche. Es gab immer viel und reichlich und als Nachtisch (fast) immer einen Apfelkuchen. Einfach lecker!

Zum Frühstück hatten wir täglich Porridge, weißes Brot, schwarzes Brot, Vollkornbrot, Eier, selbstgemachte Marmelade, Käse, Wurst, Wurst, Wurst, Wurst, Wurst und Kaffee. Ich bin kein Vegetarier, aber absolut kein Wurstfan – ich mag das einfach nicht – hatte aber dennoch genug Alternativen.

Am Abend wurden wir täglich individuell und sehr unterschiedlich bekocht. Es gab immer Fleisch. Dazu Salate, Kartoffeln, Möhren-Gemüse, Forelle, Risotto – oder sonstige Leckereien. Nachtisch gab es immer – mal Schokopralinen (natürlich selbstgemacht), mal Pancakes, mal Apfelkuchen, mal Apfelkuchen, mal Apfelkuchen.

 

Pancakes in Estland

Essen in Estland


PILZE & BLAUBEEREN SAMMELN

In Estland findet man sie fast überall. Am Straßenrand, am Rand der Moore und in jedem Nationalpark: die Beeren- und Pilzesammler mit ihren kleinen Holzkörbchen, die bis zum Rand gefüllt sind. Sie sammeln Blaubeeren, Preiselbeeren, Heidelbeeren und Pilze in verschiedenen Arten und Größen. Oft verdienen sich damit ein wenig Geld dazu, indem sie ihre Sammlung verkaufen oder verarbeiten es weiter. In Blaubeerkuchen. In Blaubeermuffins. In Blaubeerpfannkuchen. In Blaubeermarmelade. Eben in all das was man damit so anstellen kann.

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EINSAME STRÄNDE

Estland wird von der Ostsee begrenzt und hat eine Küstenlinie von fast 3.800 Kilometern. Dort gibt es sie noch, die einsamen Strände. Im Norden zum Beispiel, nur 70 Kilometer von Tallinn entfernt, wartet ein Traum für Wanderfreunde und Strandfanatiker mit vielen einsamen Stränden: der Lahemaa Nationalpark.

Lahemaa Nationalpark Estland
Einsame Strände im Lahemaa Nationapark

ÜBER 1500+ INSELN

Rund um Estland warten einsame Inseln, wie Prangli Island mit nur 70 Einwohnern. Entschleunigen in weniger als fünf Minuten? Das ist hier möglich. Kaum auf der Insel angekommen, verfällt man der Gelassenheit und Ruhe auf Anhieb. Die Natur ist unberührt und die altertümliche Werte noch ausgeprägt. Weitere Inseln sind Saaremaa, Vormsi und Hiiumaa.

Insel Prangli Estland

SCHLÖSSER UND BURGEN

Über 1.000 Schlösser und Gutshöfe warten darauf entdeckt zu werden. Einige von ihnen sind sehr verfallen, andere wurden renoviert oder umgebaut. Sie haben jedoch alle etwas gemeinsam, denn sie gehören zu einer Estland Reise, wie die Marmelade hier zu den Pancakes. Also nicht verpassen und mit dem Auto einfach mal anhalten, wie wir am Rakvere Castle.

Schlösser, die sich lohnen: 

Rakvere Castle
Rakvere Castle

SAUNA, SAUNA, SAUNA

Was wäre Estland ohne die Saunen, denn die gehört wöchentlich zum Leben dazu, verriet uns ein Einheimischer. Vor allem im Winter, wenn es draußen richtig kalt ist, heizen sich die Esthen in ihren Saunen gerne auf. Übrigens gehört hier ein Bier dazu, wie wir gelernt haben und das nimmt man einfach mit in die Sauna. Mehrere Saunagänge gehören also zu jeder Estlandreise dazu.

Põnka Gästehaus Estland
Im Põnka Gästehaus hatten wir nicht nur ein eigenes Saunahaus, sondern auch einen eigenen Schwimmteich (Wassertemperatur: 16 Grad)

KLEINES LAND, KURZE WEGE

Estland ist etwas kleiner als die Niederlande und somit ein Land der kurzen Wege. Mal eben von Tallinn zur Bärenhütte? Kein Problem! Mal eben vom Norden in den Süden? Kein Problem! Wenn man zum Beispiel am Flughafen in Tallinn startet und das Land quer durchfährt, so ist man nach nur knapp 300 Kilometern am Länderdreieck Estland/Russland/Lettland angekommen. Estland ist ein Land für Roadtrip-Freunde. Die Straßen sind meistens leer, die Strecken kurz und es gibt viel zu sehen. Ach ja, und das Benzin war bei uns mit 1 Euro pro Liter verdammt günstig.

Tipp: Unbedingt einen Roadtrip in Estland machen, dann kann man alles am besten sehen. Den Mietwagen einfach ganz bequem in Tallinn mieten und dort auch wieder abgeben. Die Hauptstadt ist nur etwa 10 Autominuten vom Flughafen entfernt und ist auch perfekt zum Ausklingen einer Reise.

FÜR WEN IST ESTLAND GEEIGNET?

Estland liegt nicht im Süden, daher fallen die typischen Sonnenanbeter und Strandfanatiker schon mal raus. Naja so halb, denn Strände gibt es – und im Sommer müssen die dort auch unheimlich schön sein, aber es bleibt immer noch die Ostsee. Die einen lieben sie, die anderen nicht. Der wahre Schatz verbirgt sich meiner Meinung nach aber vielmehr in der Natur und in den vielen Wäldern Estlands. Es gibt einfach viel zu entdecken und man kann mit dem Auto schnell überall hinfahren. Wanderfans, Naturliebhaber, Tierfans kommen hier voll auf ihre Kosten – und vor allem alle, die es weniger touristisch mögen, denn anderen Reisenden begegnet man eher nicht, sogar häufig noch nicht mal Einwohnern. Und dann ist da ja auch noch Tallinn, die Hauptstadt, die den perfekten Abschluss einer Reise in das unterschätzte Estland bildet.

UND, IST ESTLAND DEINE REISE WERT? HAST DU WEITERE TIPPS? ICH FREUE MICH AUF KOMMENTARE!

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Meinen allerherzlichsten Dank an das Estonian Tourism Board für die Möglichkeit zu dieser tollen Reise und für die wunderbare Zusammenarbeit.

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3 Kommentare

  1. Danke für diesen sehr lohnenswerten Artikel, auf den ich über die Google Suche per Schlagwortsuche “Blog Reise Baltikum” gekommen bin. Eventuell zieht es uns min September dort hin, dein Artikel macht auf jeden Fall Lust und ist toll geschrieben!

  2. Danke für den Tollen Beitrag! Sehr hilfreich, da ich echt nicht so viel wusste über Estland (da wie du sagtest, kein grosser touristenandrang herrscht). Ich möchte mit meinem Freund gerne im August für knapp 5 Tage nach Estland, leider sind wir da noch zu jung um ein Auto zu mieten (unter 25). Ist es trotzdem eine Reise wert? Weisst du ob es gute Verbindungen per Bus gibt?
    LG Jana

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